Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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73 denjenigen, welcher seine Kinder durch solche Handlung am Leben zu erhalten glaubt, eben dieser Handlung wegen zu Grunde richten werde, ihn selbst und seine Nachkommen, wie es eben (Lev. 20, 5) heisst: ״So werde ich meinen Zornblick richten auf denselben Mann und auf sein Geschlecht.a Mairn. fügt noch hinzu, dass dieser Aberglaube so stark verbreitet gewesen sei, dass sich Spuren desselben bis auf seine Zeit erhalten hätten. Desselben Kunstgriffes, erzählt M, bedienten sich die Götzenpriester, auch in Bezug auf das Vermögen. Wie sie Vorgaben, dass jedes Kind, das man nicht durch's Feuer führe, sterben würde, ebenso gaukelten sie vor, dass sobald man nicht die Erstlinge der Bäume, welche essbare Früchte tragen, teils als Opfer darbringe, teils im Götzentempel verzehre, diese Bäume entweder verdorren, oder ihre Früchte abwerfen, oder geringen Ertrag bringen, oder sonst von einem Unglücke betroffen werden würden. Die Angst vor dem Verluste des Vermögens trieb sie an, auch diesem Aberglauben zu huldigen. Diese Götzensitte nun zu beseitigen strebt die Bibel durch das Gebot, den Ertrag eines jeden, essbare Früchte tragenden Baumes in den drei ersten Jahren — das Maximum der Zeit nämlich, in der ein eingepflanzter Baum in Palästina seine Erstlinge hervorbringt, — zu verbrennen. Dabei verhiess die Gottheit und stellte in Aussicht, dass durch den Verlust und die Vernichtung der Erstlinge der Ertrag der Bäume sich erst recht reichlich vermehren werde, so wie es heisst (Lev. 19, 25): ״Dann vermehre sich auch der Ertrag derselben.44 Die Frucht des vierten Jahres aber sollte vor dem Herrn in Jerusalem gegessen werden, im Gegensätze zu Jenen, welche die Erstlinge im Götzentempel zu verzehren pflegten. Während nun Maim. diese Vorschrift, wie alle anderen in diesem Abschnitte erwähnten, historisch — aus der heidnischen Religionsgeschichte der mos. Zeit nämlich — zu begründen strebt, sehen Ibn Esra und Nachmanides in derselben nichts anderes, als eine hygienische Verordnung,