Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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62 unserer Noth anzurufen; denn diese Handlung befestigt in uns die wahre Lehre, dass unsere Geschicke nicht vom Zufall regiert werden, sondern in Gottes Händen seien, sie zu unserem Vortheile oder Nachtheile zu lenken, je nachdem wir ihm gehorsam oder ungehorsam sind. Ebenso ist der Zweck der Busse• einleuchtend. Denn es ist unmöglich, sagt er (das.), dass der Mensch nicht einmal zur Sünde verleitet werde, sei es nun durch An־ nähme einer irrigen Ansicht, oder durch Aneignung einer verwerflichen Eigenschaft, oder durch das Sichhinreissenlassen von der Macht der Leidenschaft und des Zornes; glaubte nun der Mensch, er vermöchte das einmal Verfehlte nie wieder gut zu machen, so würde er die einmal betretene schiefe, abschüssige Bahn nicht nur nicht mehr verlassen, sondern das Maass seiner Sünden noch vermehren, da er ja kein Heil mehr zu hoffen hat. Aber der Glaube an die Wirksamkeit der Busse und Bekehrung wird ihm den Mut verleihen, sich aus dem Sündenpfuhl emporzuringen, und es ist sogar die Möglichkeit vorhanden, dass er dann noch sittlich besser werde, als vor seiner Sünde. Daher auch die vielen Handlungen, welche die Befestigung und Einprägung dieser wahren und nützlichen Lehren bezwecken, so z. B. die Sündenbekennung, die Opfer sowohl für die unvorsätzlich, als für manche vorsätzlich begangenen Sünden und die Busstage. Im Grunde genommen aber, sagt M., ist das Hauptsächlichste und Wesentlichste an der Busse und den mit ihr verbundenen Vorschriften einzig und allein die Umkehr vom Wege der Sünde, das heisst: nicht mehr zu sündigen.