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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1892-01-01 · 1 (1892) · p. Seite 195

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
19 (1892)
Issue
1 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 195 (sequence 197)
Language
German
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195 Evidenz der Verschuldung. Sobald dies nicht der Fall ist, dürfen die Richter ihres Amtes als Vertreter der Gerechtigkeit nicht walten, da sie möglicherweise zu einem Justizmorde kommen könnten, und ״wer nur eine einzige Seele vernichtet hat, trägt soviel Schuld, als hätte er eine ganze Welt zu Grunde gerichtet“ (Sanh. 37a, Mischna. vgl. Beres. Rabba, cap. 3). Es ist besser, dass ein Schuldiger ungestraft davonkomme, als dass auch nur ein Unschuldiger getötet werde; ein Gesichtspunkt, der ja auch in der Gegenwart von den Gegnern der Todesstrafe immer wieder geltend gemacht wird.1) Die Rabbinen konnten aber um so leichter der richterliehen Vergeltung an dem Mörder entraten, als sie von der unerschütterlichen Ueberzeugung ausgingen, dass die göttliche Vergeltung den Verbrecher unnachsichtlich treffen würde, wie aus der oben angeführten Erzählung des Simon b. Setach hervorgeht: ״Den Unschuldigen und Gerechten töte nicht, denn ich (Gott) werde nicht ungestraft lassen den Frevler“ (Ex. 23, 7). Dieser Satz gab den Rabbinen eine Handhabe, das Walten der Gerechtigkeit möglichst in Gottes Hände zu geben, der ״die Gedanken kennt“ ״Herz und Nieren prüft“ und den ״Schuldigen nicht ungestraft“ lässt, ihm vielmehr ״giebt nach seinem Wandel, nach der Frucht seiner Handlungen.“2) Wenn nun aber auch vom Standpunkte der gerechten Vergeltung an dem Mörder, dessen Schuld nicht ganz ף So sehr oft bei Hetzel a. a. 0. vgl. S. 148, Anm. 152 und S. 446: ״Wenn nichts weiter gegen die Todesstrafe einzuwenden wäre, das eine entschiede: Sie ist nicht wieder rückgängig zu machen.“ 2) S. Raschi zu Ex. 23, 7. Maim. Hilch. Sanh. X, 9. Vgl. Seuffert Gutachten ... in Yerhandl. d. XXI. d. Juristent. S. 250: ״Ist Vergeltung nötig, dann überlassen wir sie doch der allwissenden, der leidenschaftslosen Macht, die sie gesetzt hat! Befolgen wir die Mahnung im Buche Mosis: ״Mein ist die Rache, ich will vergelten.“

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