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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1892-01-01 · 1 (1892) · p. Seite 194

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
19 (1892)
Issue
1 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 194 (sequence 196)
Language
German
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194 christl. Jhrh.) erzählt einen solchen Fall, den er selbst erlebt; da sagte er zu dem Mörder: ״Entweder ich oder Du haben diesen getötet; aber was kann ich thun? Dein Blut ist nicht in meine Hand gegeben, denn es heisst: Nach der Aussage zweier Zeugen soll der Schuldige getötet werden.1) Gott, der die Gedanken kennt möge Dich strafen/4 Man darf jedoch nicht glauben, dass der Talmud etwa aus Mitleid mit dem Verbrecher diese und ähnliche Institutionen eingeführt hat. Denn der Talmud spricht nicht selten den Gedanken aus (so Sanh. 71b), dass die Strenge gegen die Frevler eine Wohlthat für sie selbst sei und ebenso für die Mitwelt. Ein alter Midrasch (Sifre) sagt zu der Stelle Deut. 19, 13: Du darfst nicht sprechen: ״wozu soll ich Mord auf Mord häufen?“ den wirklichen, Dir als Mörder zweifellos bekannten darfst Du nicht verschonen.2) Es liegt vielmehr all dieser peinlichen Sorgfalt, den schuldigen Willen zu eruieren, nur der Gedanke zu Grunde, dass die Vergeltung eine gerechte sein müsse, und die Consequenz aus demselben ist unbedingt die völlige gesetzlich hinrichten, Sanh. 45 b u. 76 a. vgl. über Simon auch Grätz, Gesch. d. Juden in, 133 f. 142 f. 150 ff. *) Sanh. 37 b. Nach der Auffassung der Gemarah muss, wie Tosaphoth, Stichw. שאין דמך mit Recht bemerkt, der Nachdruck nicht auf das Wort zwei gelegt werden, sondern auf Aussage (עלפי). Simon konnte über die That nicht aussagen, da er sie nicht gesehen. S. auch Mairn. Hilch. Sanh. 20, 1. Ein ähnlicher Fall, wie der von Simon erzählte, ist in den 30er Jahren unseres Jhrh. in Oxfordshire vorgekommen; der vermeintlich Schuldige, zu dem der verhaftende Beamte sprach: ״entweder Sie oder ich haben diesen Mord begangen“, wurde hingerichtet; dennoch war er, wie sich nach Jahren zeigte, unschuldig. S. hierüber Genaueres bei Hetzel ״Die Todesstrafe, S. 444. י) Ygl. auch Sanh. 37b Mischna, Ende; ferner Maimonid. Moreh Neb. III, 35 u. 39: ״Grausamkeit gegen die Mitwelt ist Schonung und Mitleid mit dem Verbrecher“. Denselben Gedanken spricht auch J. J, Rousseau aus, s. Gizycki, Moralphil. S. 298.

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