Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 175)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Aber auch an Zahl und Wohlstand war Israel unter Ismaels Schutz erstarkt, und als der Spanier aus dem Norden hervorbrach, um sein Erbe dem Halbmonde abzufordern, fand er in seinen Landen einen neuen Factor vor, der sich in jede Rechnung bringen liess, nur nicht in die der christlichen Kirche. Sie war es nun, die dem durch die Kämpfe mit den Mauren entflammten religiösen und nationalen Hasse ein zweites Ziel hinstellte: das Judenthum. Leicht glaubte die Kirche den Sieg über die Synagoge davontragen zu können. Sagte1) doch ein Papst: ״Israel gleiche einem alten, zahnlosen, schwachen Greise, dessen Augen trübe, dessen Hände kraftlos seien und dessen Geist sich nach der Grabesruhe sehne.a Diese sollte ihm nach dem Willen der Geistlichkeit werden. Doch bald ward Spanien gewahr, dass noch Lebenssaft und Lebenskraft die alten Glieder beseelten. Seine gebrochene Gestalt richtete sich auf, seine Lebensgeister wurden rege: der Kampf schien es zu verjüngen. Ein volles Jahrhundert trotzte es roher Gewalt wie verschmitzter List, und unterlag endlich Israel, so unterlag es dem tragischen Helden gleich: es beschämte im Fallen seine Gegner. Ein Priester der Liebe war es, der das traurige Drama einleitete. Ferrand Martinez bearbeitete Monate lang das Volk, bis er es endlich wagen konnte, an der Spitze eines wilden Haufens das Judenviertel in Sevilla in Brand zu stecken. Es war der 6. Juni 13912). Dieser Tag sah Tausende von Juden den Todesstoss empfangen und Tausende das — aufgedrungene Kreuz. Das Beispiel des Priesters fand Nachahmung. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die blutige Verfolgung über Oordova, Burgos, Valencia nach der Insel Mallorca; von da griff sie nach Barcelona, Lerida, Gerona hinüber. ״Der L) שבט יהודה No. 41. 2) ibidem No. 27, 47, 48; Alami, Iggereth Musar (ed. Jellinek) p. 23; Crescas Sendschreiben (beigedruckt dem Schebet Jehuda, ed. Wiener) p. 128—30, endlich Zacuto ed. Filipowski p. 225, Ibn Jachja u. a.