Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 171)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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169 niederen Bildungsstufe nicht jede unverhüllte Wahrheit einen heilsamen Eindruck macht Zur Beförderung des leiblichen Wohls regelt sie die Verhältnisse des geselligen Lebens des Volkes durch Vor- Schriften sowohl für die Handlungen, wie für den Oharacter. Hinsichtlich der Handlungsweise sucht sie das Unrecht zu bekämpfen und der Rechtlosigkeit zu steuern, dass nicht Jeder thue, was die Willkür ihm eingiebt und die Kraft ihm gestattet, sondern nur das thue, was das allgemeine Wohl befördert; was den Charakter anbetritft, so lehrt sie den Menschen für die Gesellschaft nützliche Tugenden, damit ein wohlgeordnetes, geregeltes und dauerhaftes Gemeinwesen zu Stande komme, und damit auch jeder Einzelne zu der ersten Vollkommenheit gelangen könne. Dieser angegebene Zweck der biblischen Gebote, sagt Maimonides, ist selber biblisch und ist im folgenden Verse ausgesprochen: ״Da gebot uns denn der Ewige, all diese Gesetze auszuüben, zu fürchten den Ewigen, unsern Gott, auf dass es uns wohlergehe allezeit, um uns am Leben zu erhalten, wie an diesem Tage“ (Deut. 6 24). Die Bibelworte: ״auf dass es uns wohlergehe allezeit“ weisen auf die theoretische Entwickelung des Geistes hin, welche demselben die Unsterblichkeit sichert. Denn das Wort ״allezeit“ ist nach dem Vorgänge der Rabbinen56) auf die Fortdauer nach dem Tode, auf die Ewigkeit zu beziehen; die dann folgenden Worte: ״um uns am Leben zu erhalten, wie an diesem Tage“ deuten wiederum auf die äussere Lebenserhaltung im gesellschaftlichen Verbände hin. Beide sind hiermit als das der mosaischen Gesetzgebung vorschwebende Ziel angegeben. Was aber die metaphysischen Wahrheiten betrifft, fährt Maimonides (More HI. 28) fort, durch deren Kenntniss wir die höhere Vollkommenheit erlangen, so z. B. das 56) In Chullin 142 a; Kidduachin 89 b.