Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 159)
- Language
- German
- Belongs to
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157 aus Mangel an Kenntniss und Einsicht verborgen bleibe.*9) Maimonides führt80) folgende Stellen aus der heiligen Schrift als Belege für seine Behauptung über die Zweckmässigkeit 29) More III, 26. Auch an anderen Stellen (Sepher ha-Mizwoth, Verbot 365; Hilchoth Mefla VIII, 8; Hü. Temura IV, 13) behauptet Maimonides nach dem Vorgänge anderer jüd. Forscher, die ich bald nennen werde, dass die biblischen Vorschriften nicht willkürliche Geheisse Gottes sind, sondern ihren guten Grund haben, dessen Ermittelung unsere Aufgabe sei. Saadias nimmt, trotz seiner Eintheilung der Gebote in solche der Vernunft und in solche des Gehorsams (מצות שכליות und מצות שמעיות) an, dass letztere ein gewisses Maass vernünftiger Begründung zulassen; so sagte er (Emunoth we-Deoth III. 2 g. E.): וע״ז הדמיון כאשר יחקדו דוב המצות האלה השמעיות! ימצא להם מן סעיפי העלילה! ותועלותיה דברים רבים (ebenso III, 1 g. E.), und er versucht auch, eine Begründung der Gebote in allgemeinen Umrissen nachzuweisen. Bachja (Herzenspflichten, Einleitung) zählt die Ermittelung der Gründe für die positiven Gesetze zu den dem Geiste obliegenden, wiewohl nicht Jedem erfüllbaren Aufgaben. Joseph Ibn Zaddik in seinem Mikrokosmos (S. 60,61; Ed. Jellinek 1854) nimmt ebenfalls an, dass auch die Gebote, deren Grund wir nicht kennen, von Seiten ihres göttlichen Urhebers als wohlbegründet anzusehen seien, und unser Nichtwissen nur auf der Man gelhaftigkeit unserer Einsicht beruhe. Er nennt diese Gesetze, nach Saadias Vorgang, Gesetze des Gehorsams. — Auch IbnEsra nimmt an, dass den Gesetzen insgesammt ein vernünftiger Zweck zu Grunde liege. Im Jesod Mora VIII sagt er: וככה המשכיל יוכל לדעת טעמים רבים בתורה! אשר הם מבוארים באר הטיב! ויש שהם מבוארים לאדם אחר מאלף וכו׳. Auch der spätere Nachmanides theilt diese Ansicht in seinem Pentateuch-Commentar (Deut. 22, 6 auch Lev. 19, 19), wo er ziemlich ausführlich über diesen Gegenstand spricht. Ein jüd. Denker der neueren Zeit, der seine geistige Ent- Wickelung zum grossen Theile dem Studium des More verdankte, Mendelssohn nämlich, äussert sich über diesen Punkt seinem grossen Lehrer und Meister ganz ähnlich. In seinem Jerusalem (Abschn. H. S. 127, ed. Berlin, 1783) sagt er: »Es ist uns erlaubt, über das Gesetz nachzudenken, seinen Geist zu erforschen, hier und da, wo der Gesetzgeber keinen Grund angegeben, einen Grund zu vermuten, der vielleicht an Zeit und Ort und Umstände gebunden gewesen u. 8. w.«. 80) More III, 26,31.