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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1892-01-01 · 1 (1892) · p. Seite 153

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
19 (1892)
Issue
1 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 153 (sequence 155)
Language
German
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153 dies durchaus falsch ist, ergebe sich schon bei einem nur oberflächlichen Nachdenken. Jene sind aber zu diesen falschen Behauptungen und Ungereimtheiten durch die Ansicht von der zeitlichen Er- Schaffung der Welt hingeführt worden. Da letztere Ansicht mit der Annahme eines Finalzweckes der Schöpfung sich nicht vereinigen lässt, indem die Frage entsteht, warum Gott denn die Welt, wenn sie so zweckmässig sei, in dieser Zeit und nicht in einer früheren geschaffen habe, so mussten sie dem Universum jeden Zweck absprechen, um eben die Ewigkeit der Welt nicht annehmen zu brauchen. Diese Meinung von der Zwecklosigkeit des Universums dehnten sie aber auch auf die einzelnen Theile desselben aus, indem sie sagten, dass, was von dem Ganzen verneint wird, auch von seinen Theilen verneint werden müsse. Liegt nun dem All kein Zweck zu Grunde, so haben auch die Theile desselben keinen Zweck. Ist das Universum lediglich das Werk göttlichen Willens und nicht seiner Vernunft — denn sonst müsste es ja einen Zweck haben, was aber bei der Annahme der Erschaffung nicht zugegeben werden kann — so sind es auch die Theile desselben. Sie sprachen also deshalb allen Dingen der Natur jeden ursächlichen Zusammenhang ab, so gaben sie z. B. nicht einmal zu, dass die Pupille und die durchsichtige Hornhaut deshalb vorhanden seien, um das Sehen der Gegenstände zu ermöglichen; sie sind da, sagten sie, weil Gott es so wollte, das Sehen wäre aber auch bei einer anderen Gestaltung dieser Organe möglich gewesen. Wir aber, sagt Maimonides, können ungeachtet unseres Glaubens an die zeitliche Erschaffung der Welt21) nicht annehmen, dass dieselbe blos ein Werk der Willkür sei. Wir müssen wohl zugeben, dass sie durch seinen Willen 21) Hierin weicht er von Aristoteles ab, der unsere Welt für ewig und ungeworden erklärt. S. Zeller a. a. 0. S. 431 f.

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