Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 152)
- Language
- German
- Belongs to
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150 auch die Befehle, die uns Gott sendet, eben in seinem Willen liegen, ohne dass wir dafür einen Zweck finden könnten. Nach den Anhängern dieser Meinung wäre also das Forschen nach den Gründen und Zwecken der göttlichen Gesetze ein müssiges Unternehmen, da dieselben weder Zweck noch Grund haben, Gott befahl sie bloss, weil er es so wollte. Dieser falschen Meinung zu begegnen, stellte er zuerst die Behauptung auf, dass die Werke Gottes in der Natur nicht nur Folgen seines Willens, sondern auch seiner Weisheit seien, um sodann von dieser Behauptung die Anwendung auf die göttliche Gesetzgebung zu machen, die ja auch als ein Werk Gottes zu betrachten ist. Jeder Handelnde, sagt M , beabsichtigt mit seiner Handlung einen Zweck, oder keinen; der beabsichtigte Zweck kann ein wichtiger oder unwichtiger sein; er kann ferner erreicht werden oder unerreicht bleiben. Daraus ergibt sich mit Nothwendigkeit die Eintheilung aller Handlungen in vier Klassen, in zwecklose, spielende, misslungene und nützliche. Zwecklose sind solche, bei denen gar kein Zweck beabsichtigt wurde; spielende solche, bei welchen ein unbedeutender, d. h. nicht nützlicher oder nothwendiger Zweck beabsichtigt wurde; misslungene nennen wir diejenigen, bei denen wohl ein Zweck beabsichtigt, aber durch Hindernisse nicht erreicht wurde; nützliche Handlungen endlich sind solche, welche der Handelnde nicht nur eines nothwendigen oder vortheilhaften Zweckes wegen unternommen, sondern diesen auch erreicht hat. Da es aber ein Axiom (מושכל ראשון) ist — wie sich Maimonides an einer anderen Stelle (More III, 19) auswurde und für orthodox galt. (Nach einer Note Haarbrückers zu S. 25—30 8einer Uebersetzung des Schabrastani.) Maimonides spricht in seinen Schriften sehr häufig von den Meinungen der Mutakallimun, am ausführlichsten aber im More I. 73—76, wo er ihr ganzes System darstellt.