Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 149)
- Language
- German
- Belongs to
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147 niten oder die Anhänger des Talmud, sich im Gebrauch derselben Waffen zu üben, um sie zu ihrer Vcrtheidigung anwenden zu können. Die Rabbaniten folgten daher bald dem von den karäischen Lehrern ihnen gegebenen Beispiele und suchten ihr religiöses Gebäude mit Beweisen zu stützen, die aus der Zeitphilosophie geschöpft waren. Der erste, der diese neue Bahn mit Erfolg betrat, war Saadias b. Joseph al-Fiumi (892—942), dessen Lehrsätze unter den Juden ein grosses Ansehen erlangten. Bei ihm finden wir schon im Gefolge anderer religionsphilosophischer Erörterungen auch Anfänge - wenn auch nur schwache — von Begründungen bibl. Gesetze (im Emunoth we-Deoth III, 1. 2). Um, wenn irgend möglich, zwischen Judenthum und Philosophie eine Versöhnung zu erwirken, bedurfte es eines grossen Geistes, der beide Gebiete ihrem ganzen weiten Umfange nach beherrschte, und der durch klaren Blick, Energie und Scharfsinn befähigt, war, das ganze Gebiet der Religion mit der Fackel der Vernunft zu beleuchten und zu erhellen. Der grosse Mann, der sich dieser Aufgabe unterzog, war Maimonides. Bei tiefster Kenntniss der umfassenden religiösen Litteratur der Juden, war er zugleich mit allen der arabischen Welt damals zugänglichen profanen Wissenschäften vertraut, und er ist es auch, der in seinem berühmten religionsphilosophischen Werke More Nebuchim aueh den Begründungen der Gebote grosse Aufmerksamkeit widmete und diese Aufgabe, wie Keiner vor ihm nach allen ihren Seiten■ erfasste und zu lösen versuchte17). Schon dadurch allein hat er sich ein grosses Verdienst 17) Unter den Scholastikern war es Thomas von Aquino, der hinsichtlich der rationalen Begründung der bibi. Vorschriften zumeist dem Maimonides folgte, waa von J. Guttmann in seinor Schrift »Das Verhältniss des Thomas von Aquino zum Judenthum und zur jüd. Litteratur« (Göttingen, 1891) S. 80—92 nachgewieseu wurde.