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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1892-01-01 · 1 (1892) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
19 (1892)
Issue
1 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 142 (sequence 144)
Language
German
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142 für ein besonderes Verbot, während man doch auf den ersten Blick einsehen kann, dass dies bloss eine Grundangabe des vorhergehenden Verbotes: ״Und er soll sich nicht viele Frauen nehmen“ ist, welches sogar vom Talmud (Tract. Sanhedrin 21 b), bei seiner ablehnenden Stellung zur Begründung der Gesetze, als Grundangabe aufgefasst wird. Doch wollen wir eben unseren Blick nach jener älteren Zeit der Gesetzesforschung wenden, nämlich nach der Zeit des Talmud. Nur äusserst selten begegnen wir hier irgend welchen Begründungen biblischer Vorschriften, da diese Art von Forschung von den alten Gesetzeslehrern überhaupt missbilligt, wenn nicht gar verboten wurde. In einer Mischna im Tractate ßeraehotb (V, 3) heisst es: ״Wenn Jemand betet: ״Bis auf ein Vogelnest erstreckt sich Dein Erbarmen7) etc. so gebiete man ihm zu schweigen“, wozu die Gemara (im selben Tractate 33 b), dies erläuternd, bemerkt, weil er die Eigenschaften Gottes als Barmherzigkeit darstellt, während die göttlichen Gesetze bloss als Befehle — nach deren Grund man weiter nicht zu fragen habe — zu befolgen seien8). Jomtob Lipm. Heller (1579 1654) ist allerdings der Meinung9), dass diese Mischna sich bloss auf die Praxis beziehe und die theoretische Annahme von Gründen für die Gebote gar nicht verbieten wolle; er steht aber mit dieser Ansicht last vereinzelt da. 7) Mit Anspielung auf Deut. 22, 6. 7. 8) Diese Mischna lautet: האומר על קן צפור יגיעו רחמיך וכר׳ משתקין אותו, die angeführte Erklärung der Gemara: מפני שעושה מדותיו של הקב״ה רחמים ואיבן אלא גזירות. Man vergl. More Nebuchim III, 48, wo Maimonides über diese Mischna sagt: die steht im Einklänge mit der einen der beiden von uns (More III, 26) erwähnten An- Bichten, mit derjenigen, nach welcher das Gesetz nicht nach einem Zwecke, sondern blos nach dem göttlichen Willen sich richtet. 9) In seinem Mischna-Commentar z. St. Seine diesbezügliche Aeusserung lautet: דוקא בתפילה, שכשאומר בתפילה מחליט הדבר, ולהכי משתקין אותו, מה שאין כן דרך דרש או פשט.

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