Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Wahrscheinlich dieselbe Sage ist es, die in Babylonien in folgender Version erzählt wurde: ״Antoninus sprach zu Rabbi: Die Vornehmen Roms quälen mich. Da führte Rabbi ihn in den Garten, und jeden Tag riss er einen Rettig aus einem Beete aus in seiner (des Anton.) Gegenwart. Da dachte Antoninus, gewiss will er damit sagen, ich solle sie nach und nach (einzelweise) tödten, aber nicht auf einmal mit Allen Streit anfangen.״ (Aboda sara 10 a) In Babylonien scheint man von den Grausamkeiten der späteren Antonine (Commodus, Caracalla, vielleicht auch Heliogabal) Manches gehört zu haben. Da man aber andererseits wusste, dass Antoninus mit Rabbi befreundet und ein gerechter Mann war, so entschuldigte man die Grausamkeiten dadurch, dass Antoninus dies aus Nothwehr gethan hatte. Indem so die babylonischen Erzählungen einen späteren Ursprung verrathen, kann aus denselben kein Schluss gezogen werden, welcher Antoninus in den ältern palästinensischen Agadot gemeint sei. Wir wollen die babylonischen Agadot dennoch der Vollständigkeit halber hier anführen ‘23) Antoninus hatte eine Tochter Namen Gira (d. h. Ehebrecherin), welche ein unsittliches Leben führte, da sandte er zu Rabbi eine Rauke (diese heisst aramäisch: Gar-Gira, d. h. Gira ist eine Ehebrecherin). Da sandte ihm Rabbi wieder Koriander (aram.: Kus-Brata, das zwei Bedeutungenhat: ״Bedecke, d.h. schone, odersehlachte,d.h.tödte (die Tochtera). Antoninus schickte wieder dem Rabbi Porre aram. Karthi d. i. Soll ich sie vernichten?). Rabbi sandtei ihm Lattich (aram. Chassa d. i. Schonung (Talm. b. Aboda sara das.). Dass Botschaften solcher Art, bei denen man sich einer Zeichensprache durch Pflanzen bedient, unter asiatischen Fürsten nicht selten sind, erzählt Malcolm in seiner ״Geschichte Persiens״ (vgl. die Uebers: von G. W. Becker 1. Band S. 58). Und dieser Umstand mag, wie bereits