Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Unschuldiger von einem solchen heimgesucht, so übt der Schmerz zumeist eine entgegengesetzte Wirkung aus. Ebensowenig genügt endlich die Antwort dass es der absolute Wille Gottes ist, der Sühnung durch die Vergeltung fordert,1) denn hiermit ist doch die weitere Frage nach dem „Warum“ dieses göttlichen Auftrags an den Staat nur abgeschnitten, aber nicht gelöst.2) Wir müssen daher auf eine Beantwortung dieser Frage verzichten und uns mit der Erkenntniss der Thatsache begnügen, dass die Vergeltung nicht als Rache, sondern als eine von Gott geforderte und ihm wohlgefällige Handlung zur Sühnung der Gemeinschaft im mosaischen Rechte erscheint. _(Fortsetzung folgt). l) Eine Ansicht, die in neuerer Zeit hauptsächlich von Stahl in seiner Rechtslehre und von seinen Anhängern vertreten wurde. a) Auf die Theorien Kant’s, Hegel’s, Herbart’s (vgl. Einleitung) können keine befriedigende Antwort auf die weitere Frage nach dem „Warum“ der Vergeltung geben; denn es kann bestritten werden, wie dies auch von vielen Seiten geschehen ist, ob es ein kategorischer Imperativ, eine logische oder ästhetische Notwendigkeit sei, Vergeltung zu üben.