Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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31 indem es sich von Elementen befreit, die das gesamte Staatswesen in Gefahr bringen und das Rechtsleben untergraben; denn die Unschädlichmachung könnte ja auch auf anderem Wege bewerkstelligt werden, etwa durch Verstümmelung, oder durch eine Gefängnisstrafe, oder durch Verbannung; es kann vielmehr nichts anderes gemeint sein, als dass die Sühnung der Blutschuld durch die Vergeltung Gottes Huld für Israel und dadurch das Heil des Volkes bewirkt, weil dies wohlgefällig ist in den Augen Gottes. (Deut. 21, 9.) — Wollte man nun aber weiter fragen, warum das mosaische Recht in der Vergeltung die Sühnung erblickt, worin die sühnende Kraft der Vergeltung bestehe, so wird wohl vergeblich eine befriedigende Lösung dieser Frage gefunden werden können. Soll die Gemeinschaft dadurch ihre Missbilligung1) zum Ausdruck bringen und zeigen, dass sie das Verbrechen verabscheut, dann könnte immer noch gefragt werden, warum nicht ein anderes Sühneverfahren, — wie etwa das Deut. 21, 1-8 vorgeschriebene — hierzu genügt. Wollte man aber in dem gleichen Schmerze, welcher dem Verbrecher bereitet wird, das sühnende Moment erblicken,2) so liegt die weitere Frage auf der Hand, worin denn nun die sühnende Kraft des Schmerzes bestehe.3) Auch ist es fraglich, ob der Schmerz an sich sühnend wirkt; trifft den Verbrecher der verdiente Schmerz, dann allerdings tritt die sühnende Kraft des Schmerzes zum Vorschein, wird aber ein völlig U Ygl. die Missbilligungstheorie v. Bar’s (Hdb. und andere Schriften). Lammasch in Liszt’s Ztschr. IX, 426 ff. 2) Köhler, d. Wesen d. Strafe S. 6 glaubt, dass der Schmerz „eine sühnende, reinigende und weihevolle Kraft in sich schliesse; der Tod gewähre die meiste Sühne, „denn hier wird der Individualismus nicht nur schmerzhaft berührt, er wird geknickt.“ 8) Wenn Köhler S. 7 a. a. 0. auf diese Frage die Antwort giebt: „Jeder Schmerz löscht mit einem Stück Individualismus auch ein Stück von der Verschuldung (!) des individuellen Daseins,“ so müssen wir gestehen, dass uns dieser Gedanke als zu mystisch erscheint.