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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1891-01-01 · 1 (1891) · p. Seite 254

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
18 (1891)
Issue
1 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 254 (sequence 257)
Language
German
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254 Wissenschaft ausschliesslich beschäftigen und das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren. Da giebt es unter den israelitischen Forschern solche, deren ganze Weisheit in der Kentniss der Massora besteht. Obwohl die Arbeiten der Massoreten sehr verdienstlich sind, indem sie die hl. Schrift in ihrer Gestalt erhalten und sie vor Zusätzen und Verstümmlungen bewahrt haben, so kennt man durch sie doch nur die Worte und nicht die Bedeutungen. Die Worte sind aber wie die Körper und die Bedeutungen wie die Seelen. Wer diese nicht kennt, dessen Bemühungen sind eitel und nichtig־ Er gleicht dann Einem, der ein Arzneibuch besitzt und sich abmüht, die Zahl der Seiten, Zeilen und Buchstaben herauszufinden. Durch solche Mühe wird er noch nicht im Stande sein, eine Wunde zu heilen. Wer also nur massoretische Kenntnisse besitzt, gleicht einem Kameel, das Seide trägt. Es nützt der Seide nicht und die Seide ihm nicht.1) Andere widmen sich nur der Grammatik, die in Wahrheit eine herrliche Wissenschaft ist, weil man durch sie im Stande ist, in Prosa und in Versen sich klar auszudrücken und viele Bedeutungen zu finden. Es geziemt sich aber nicht mit dem Werkzeuge sich beständig zu beschäftigen und zum Werke selbst nicht zu gelangen.2) Manche sinnen wieder nur über die hl. Schrift und die Targumim nach und glauben, wenn sie nach den Bedeutungen geforscht haben, dadurch die höchste Stufe erreicht zu haben. In der That ist die Thora der Quell des Lebens und die Grundlage aller Gebote. Doch ist der Forscher nicht im Stande auch nur ein Gebot der schriftliehen Lehre vollständig zu verstehen, wenn er die mtindliehe nicht berücksichtigt. Auch kommen in der hl. Schrift noch viele Dinge vor, die ohne andere Kenntnisse durchaus nicht erklärt werden können.3) *) Jess. Mora S. 4. 2) Nach der LA. der Stern’schen Ausgabe des Jessod Mora S. 8 b. 8) Jess. Mora S. 5f. S. oben S. 250.

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