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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1891-01-01 · 1 (1891) · p. Seite 242

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
18 (1891)
Issue
1 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 242 (sequence 245)
Language
German
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242 lauter kalamitischer Beweise für die Schöpfung der Welt, das Dasein, die Einheit und Ewigkeit Gottes. Aehnlich gebrauchen auch die Neuplatoniker ibn Pakuda und ibn Zaddik in ihren theologischen Spekulationen kalamitische Argumente.1) Zur Zeit ibn Esra’s war eben die kalamitische Lehre neben dem Neuplatonismus gerade bei den Juden sehr verbreitet.2) Saadia Gaon, der Begründer der jüdischen Religionsphilosophie, dessen Schriften viel gelesen und benutzt wurden, war sogar Hauptanhänger jener Lehre. ״Wie ihm bei der ganzen Anlage seines Buches (Religionslehren und Vernunftansichten) das Muster eines mutazilitischen Kalam vorzuschweben scheint, so dürfte es nicht leicht ein auch nur irgendwie bedeutsames Problem der mutazilitischen Theologie geben, das er in demselben nicht, sei es zustimmend oder ablehnend, zur Erörterung gebracht hätte.“3) Wie sehr aber ibn Esra mit Saadia’s Schriften vertraut war, dürfte Jedem, der nur einigermassen mit i. E. sich beschäftigt, bekannt sein. ״Der Gaon“ wird von ihm nicht allein bei exegetischen Erklärungen, sondern auch bei philosophischen Bemerkungen und Erörterungen sehr oft berücksichtigt.4) Auf das philosophische Werk Saadia’s weist i. E. direkt in Jessod Mora hin,6) und seine Schrift Sefath Jether beschäftigt sich ausschliesslieh mit der Vertheidigung Saadias gegen die Angriffe des Dunasch ben Librat. Es ist daher ganz natürlich, dass i. E. manche Lehrsätze dem Kalam entlehnt, wie er auch viele religionsphilosophische Gedanken Saadia’s sich ange- *) Vgl. Kaufmann, Attributenlehre, S. 250. צ) Besonders bei den Karäern. Vgl. Munk (Beer) Philosophie u. philosophische Schriftsteller der Juden, S. 14ff., Frankl, ein mutazilitischer Kalam u. Beiträge zur Literaturgesch. der Karäer, und Kaufmann, Attributenlehre, S. 260. 8) Guttmann, die Beligionsphilosophie des Saadia S. 30 f. Vgl. auch Eisler, Vorlesungen, I S. 2f. 4) Vgl. Bacher, Einleitung, S. 29 f. und Schmiedl, Studien, S. 252 f. 8) Jessod Mora S. 11.

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