Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 189)
- Language
- German
- Belongs to
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180 mit der begrenzten, unvollkommenen Materie in direkter Verbindung stehen? Auf was anderes aber, als auf die unausgesetzte, göttliche Vorsehung und Weltregierung ist die wunderbare Ordnung und Leitung der ganzen, grossen Natur zurückzuführen? Dieser Gedanke führte die Kabbala auf die Lehre der Sephiroth, auf ״die Annahme, dass Gott zwar der Natur bestimmte Gesetze gegeben und die unmittelbaren Ursachen nach diesen Gesetzen wirksam sind, dass diese Wirksamkeit aber niemals vom göttlichen Willen unabhängig sei, vielmehr die Absichten Gottes, wie seine Mitwirkung bis auf die kleinste Veränderung der Natur sich erstrecken, und dass jede Naturwirkung ebensowohl mit der göttlichen Absicht übereinstimme, als aus seiner Allmacht fliesse“14). Die Kabbala nennt dies ein Zusammentreten Gottes mit der Welt. Aus seinem göttliehen Wesen strahlt Gott die Potenzen, Sephiroth, aus, vermittelst derer er auf die Welt und ihren Lauf ein wirkt, so wie er ihre Schöpfung bewerkstelligte. Bachja hat die so entwickelte Sephiroththeorie von seinen Vorgängern übernommen und sucht nun dieselbe in die Schriftworte hineinzuinterpretieren. Er findet die Sephiroth in sehr zahlreichen Stellen der Thora angedeutet15), gleich im ersten Verse der Genesis alle zehn. »Die Ursache der Ursachen״, die weder als ״Seiend“, noch als ״Nicht-Seiend“ bezeichnet werden kann, ist der En-Sof, der Unendliche, der die zehn Sephiroth aus sich ausgestrahlt hatte 16). Die erste Sephira entstammt dem En-Sof,| sie ist die Krone, heisst aber auch אין: Nichts, weil sie keiner Weisheit erreichbar ist17). Aus ihr entspringt die zweite, die Weisheit *4) D. H. Joel, a. a. 0., S. 181. 18) Gen. 2.2.8.9.10, 5.1, 7.22, 32.10, 48.15; Ex. 25.8, 30.19, 31.18, 32.32. 40.34; Num. 6.25, 8.2, 23.4; Deut. 32,4 u. s. 16) Gen. 1.1 entwickelt B. seine Sephiroth theorie anschliessend an die Worte des עשר ספירות בלי מה :ס׳ יצירה. 17) Ursprünglich ist אין, wie dies B. gebraucht, der Name der ersten Sephira, später wird auch der En-Sof. damit benannt, s. Joel, a. a. 0. S. 323, Anm. 2.