Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 172)
- Language
- German
- Belongs to
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169!einliegende Deutung giebt, die er in denselben natürlich nur nach dem Abstreifen ihrer einfachen Form, d. i. dem Aufheben ihres schlichten Sinnes finden kann. Er will nicht über die wichtigen Probleme der Philosophie abhandeln, sondern die vorhandenen Resultate derselben in den Schrift־ Worten wiederfinden. Er ist kein origineller Philosoph, bietet auch nicht viel Selbstständiges auf dem Gebiete der philosophischen Schriftauslegung; in zahlreichen Fällen begnügt er sich, einfach die Erklärungen früherer Religions־ Philosophen zu seinen Zwecken zu verwenden, wie wir dies nachzuweisen Gelegenheit nehmen werden. Wir wollen nun die Hauptpunkte seiner philosophischen Auslegung in bestimmte Gruppen gereiht hervorheben, um so leichter einen Ueberblick über sein Verfahren und seine Leistungen auf diesem Gebiete gewinnen zu können. 1. Die Thora macht es selber uns zur Pflicht — erklärt Bachja10) — nach der Erkenntniss Gottes zu streben und über seine Einheit zu forschen, damit wir uns so einen rechten Begriff von dem Höchsten bilden können. Sie giebt aber zugleich die Grenzen unseres Forschens an und zeichnet unserem Nachdenken den Weg vor. Gott ist nur aus seinen Werken erkennbar, deshalb beginnt auch die Bibel mit der Schöpfungsgeschichte, die das wunderbare Schaffen Gottes in seiner ganzen Grösse zeigt11), es hüte sich aber Jeder Gottes Wesen erforschen zu wollen12). Selbst Mose, dem grössten der Propheten, wurde die Bitte: Gottes Wesen schauen zu dürfen, abgeschlagen und nur der andere Theil seines Wunsches: ״Lass mich deine Wege erkennen“ erfüllt13), denn nicht nur den Menschen, sondern 10) Deut. 4.49. Diese Auslegung des Verses ist aus Hrzpfl. I. 3 geholt. Maimuni (Moreh Nebuchim 11.28) giebt dem Verse: Deut. 6.5 diese Deutung. u) Einl. zu פ׳ בראשית. 12) Deut. 10.35: אחרי ה׳ ת^כו אחר מדתו ואותו תיראו מ6״זקר מצד עצמותו. 13) Ex. 33.13; die erste Bitte wurde Mose verweigert, wie dies