Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 171)
- Language
- German
- Belongs to
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168 praktischen Zweck, das Studium der Gotteslehre zu fördern, indem er Gedanken und Lehren fremder Wissenschaften als aus den Worten der Schrift flicssend darzustellen sucht. Und er glaubt auf diese Weise auch einen wahren Schrift״ sinn gedeutet zu haben, wenn er in die Bibel Ansichten hineinin'erpretirt, die nicht im geringsten darin enthalten, sind. Er handelt dabei gewiss nur nach dem Muster älterer Religionsphilosophen und ganz und gar im Sinne und nach dem Gesehmacke seiner Zeit. Was im Einzelnen von der anthropomorphistischen Redeweise der Thora gilt7), das — sagt Bachja — lässt sich von den philosophischen Lehren in derselben im Allgemeinen behaupten. Sie werden nicht offen vorgetragen, sondern verhüllt in Bilder, die dem Gesichtskreise unseres beschränkten Wesens entsprechen. Die Hülle muss entfernt werden, um den Inhalt in seinem wahren Wesen erkennen zu können, denn sie dient nur dazu, den schweren Weg zum abstrakten Denken zu erleichtern und angenehm zu machen8). Ebenso wie das Kind, das zu lernen beginnen soll, zuerst durch Leckerbissen dafür gewonnen wird; dann durch ein schönes Gewand, später als Jüngling durch das Verlangen nach Ehre und Ruhm zum Studium angeeifert wird, bis er endlich die richtige Stufe erlangt und aus reiner Wissbegier den Geistesschätzen nachgräbt9). Auf diese Weise begründet Bachja die Verwendung der Allegorese zu seiner philosophischen Auslegung und will damit sein Verfahren rechtfertigen, wenn er, nicht selten gewaltsam, den Schriftworten eine 7) Siehe über diese seine Ansicht, oben S. 105, u. dazuAnm. 13. 8) Mkr. 77 b. 9) Mkr. das.; dieses schöne Grleichniss hat unser Autor von Bachja ihn Pakuda, aus Herzenspfl. IV, 4 genommen, wo es auf andere Weise ausgeführt zur Erklärung der antropomorphistischen Ausdrucksweise der Schrift verwendet wird. Maimuni (Einl. zu Sanhedrin) wendet dieses Grleichniss, es aus derselben Quelle kennend, auf die Verheissung von Lohn und Strafe an. Siehe: Rosin, Ethik des Maimonides S 70.