Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 150)
- Language
- German
- Belongs to
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147 mit dem Autor nicht überall überein. Wir heben hervor Pea I, 45; II, 5; Terumot XI, 187. Was die letztangeführte Stelle betrifft, so behauptet Sch. es sei hier der Ausspruch eines Amora im Jeruschalmi entlehnt. Allein, da es hier ausdrücklich heisst: שנה לי יונתן בן עכמאי, so ist gewiss kein Grund an eine Entlehnung zu denken, wie bereits Weiss in seiner Geschichte der Tradition II S. 220 Anm. 8 gegen Frankel bemerkt, der im Mebo flajeruschalmi den erwähnten Ausspruch als Beispiel einer Entlehnung anführt. Wir gehen noch weiter, indem wir auf den Ausdruck nicht einmal besonders Gewicht legen, und meinen, dass auch da, wo dieser Ausdruck fehlt, nicht darum eine Entlehnung anzunehmen ist. Es kam ja vorgekommen sein, dass ein Ausspruch im Namen eines Amora cursirte, der thatsächlich nichts anderes war als eine Boraitha. Zu dieser Ansicht ist man um so mehr berechtigt, als zuweilen im Talmud ein Amora als der Autor einer Meinung angeführt wird, und es gleich darauf heisst תניא נמי הכי, ohne dass in der Boraitha etwas wesentlich Neues enthalten wäre. Wo nun dieses תניא נמי הבי fehlt, so kann höchstens gefolgert werdan, dass die Boraitha nicht bekannt war, und können wir jenes תניא נמי הכי hinzufügen. Es ist auch nicht zu übersehen, dass zuweilen eine Ansicht im Namen eines Amora citirt wird mit der ausdrücklichen Bemerkung‘1 ואמרי לה במתניתא תני: ein Beweis, dass der Talmud selbst über den Ursprung mancher Ansicht zweifelhaft war1). Wir sind darum auch gegen die Behauptung Weiss’, wenn er a. a. 0. Anm. 2 meint, dass Tosefta Tohorot II, 1 eine Entlehnung sei aus Chullin 34 a. Es hat nicht den Anschein, als ob die Worte B. Jochanan’s: מאי אהדדי ר׳ אליעזר ור׳ יהושע להדדי hypothetisch zu fassen wären: was hätten sie einander erwidern können, sondern die Worte sind ganz einfach zu nehmen, und B. J. wird wohl keinen Dialog zwischen B. Elieser und B. Josua erdichtet haben, er tradirt eben eine alte Ueberliefcrung, eine alte Boraita. Auch die anderen von Weiss daselbst angeführten Beispiele sind nicht durchwegs überzeugend. Ebenso ist an der erwähnten Stelle Pea II, 5 zweifelhaft, ob der Passus ג׳ תלמים של פתיח auf Grund der Ansicht B. Jochanans im Jeruschalmi eingeschoben }!ist. Da auffallender Weise קוצר לשחת, auf welches in der Tosifta jene Worte ג׳ תלמים של פתיח unmittelbar folgen, weder in der Ansicht Babs, noch B. Jochanan’s erwähnt ist, so erweckt ja dies den Anschein, als ob gerade auf Grund der Tosifta die Differenz zwischen Bab und B. Jochanan entstanden sein, ob nämlich alle in der Mischna erwähnten Fälle mit קוצר לשחת zu vergleichen sind oder nicht. Was Pea I, 45 betrifft, so ist dies bekanntlich die Stelle, wo B. Simson zuerst die Bemerkung macht, dass die Tosifta nach dem Babli corrigirt sei, und gerade hier möchten wir diese Ansicht nicht ohne Weiteres gelten lassen. Wie man auch über die abweichenden Lesarten hier denken mag, so wird doch das Verhältniss ganz umgekehrt, wenn behauptet wird, die Worte מפני הרמאים in der Tosifta verdanken ihre Entstehung lediglich der Bemerkung Babas in Sabbat 23 b; im Gegentheil Baba kann seine Bemerkung nur gemacht haben auf Grund einer anderen Lesart, die ihm vorlag. Für die Worte מפני שאמרה תורה לא תכלה setzt man nicht willkürlich מפני הרמאים, folglich emendirt Baba eine Boraita auf Grund einer andern; es wird daher jedenfalls das Ver- *) Vgl. Weiss, a. a. 0. S. 242 ff., welcher in seinen Folgerungen hieraus zu weit geht.