Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Commentirung der Thora, in derselben bestimmte Probleme gelöst, bestimmte Anschauungen ausgesprochen zu finden11). So wird seine Exegese tendenziös, denn er verfolgt von vornherein mit klarem Bewusstsein das Ziel, zu zeigen, dass ausser der schlichten Auslegung, die anderen von ihm bezeichneten Arten der Exegese, ebenso berechtigt und zu berücksichtigen sind12). Wir begingen aber ein Unrecht, die Leistung Bachja’s nur nach dieser Seite hin beurtheilen zu wollen oder uns von dem kabbalistisch-mystischen Anstrich seines Commentars einnehmen zu lassen. Wir müssen bei der Schätzung seiner Leistungen den Maassstab anlegen, der sich uns aus den Geschichts- und Gulturverhältnissen, unter denen B.’s Exegese entstand, ergiebt. Dann werden wir finden, dass B. als Exeget über seine Zeit hinausragt, denn obwohl Kabbalist mit ganzer Seele, der mit Vorliebe in den Hallen des Geist uud Phantasie umstrickenden Mysticismus weilt, sich mit regem Eifer in die dunklen Speculationen der Geheimlehre vertieft, lässt er nicht von dem festen Principe, dass die h. Schrift in erster Reihe in ihrer erhabenen Einfachheit begriffen werden muss und nicht etwa einer alleinherrschenden Allegorese unterworfen werden darf. Er räumt der schlichten Auslegungsart mindestens so viel Recht ein, wie den anderen sich ihm aufdrängenden Arten und bringt dieselbe auch durchgehends zur Anwendung. Er lässt sich bei der Erläuterung des Schrifttextes von allgemeinen Gesichtspunkten und bestimmten Principien leiten, die ihn zur Aufstellung und An- Wendung exegetischer Regeln führen, zum klaren Beweise dessen, dass er ein richtiges Verständnis für die charakteristischen Eigenschaften der Bibel besessen. Die Thora spricht zum ganzen Volke, lautet einer seiner Grundsätze, sie muss daher in einer der Gesammtheit verständlichen Weise reden. So müssen wir die anthropomorphistischen n) S. w. unten, Anf. Abschn;‘VIII. צג) S. oben S. 103 und Abschn. IV.