Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Am häufigsten begegnet man in den Bibelcommentaren ibn Esra’s philosophischen Ansichten und Grundsätzen. Die Lehren der Bibel über Gott, die Schöpfung, das Verhältniss der Welt und des Menschen zu Gott, ebenso die Anthropomorphismen und Anthropopathien, die Offenbarung Gottes und die Prophetie, die das psychologische Gebiet berührenden Aussprüche und Redewendungen u. s. w. werden in philosophischem Sinne gedeutet und erklärt, und mitunter sind an solche Deutungen und Erklärungen grössere philosophische Excurse geknüpft, deren Ausführungen zum grossen Theile in den theologischen Schriften Jessod Mora und Sefer Haschern sich wiederholen und durch die Verbindung mit anderen religionsphilosophischen Gedanken erweitert werden* 1). Ueberhaupt hegt ibn Esra eine solche Liebe zur Philosophie, und ist sein Geist so sehr von philosophischen Gedanken getränkt, dass er diesen nicht nur in den Bibelcommentaren und theologischen Schriften, sondern auch in seinen grammatischen und mathematisch-arithmetischen Abhandlungen bei jeder sich nur darbietenden Gelegenheit Raum giebt und selbst in seinen Gedichten sehr oft meta- Wissenschaften nicht zur wirklichen Erklärung und Erläuterung der Schrift benutzen, sondern nur um ihre hohe Gelehrsamkeit zu zeigen (להראות שיעמדו על תכונות עליונות), indem sie weitläufige wissenschaftliche Erörterungen in unnöthiger Weise an die Schriftverse knüpften (ואין תועלת לפרוש הזה כי אם אדך), während i. E., wie er seihst in einem seiner ältesten Commentare, nämlich in dem zu Koheleth (7,1), andeutet, die profanen Wissenschaften nur zum Zwecke des tieferen Bibelverständnisses gebrauchte. Vgl. Bacher, Einleitung, S. 17 und weiter unten. l) Besonders ist das bei den Excursen zum gangb. Exodusc. der Fall. Da die meisten Excc. nur in entfernter Beziehung zu den Commentt. stehen, so kommen sie mitunter in den Handschriften als gesonderte Stücke vor und wurden von manchen Supercommentatoren selbstständig behandelt. Vgl. Lippmann a. a. 0. Seite 12 und Steinschn. a. a. 0. S. 88. Ein Verzeichniss der Excc. giebt Friedländer, Essays, S. 109 ff.