Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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zwanzig Jahre, und das ganze Haus Israel jammerte נ) nach J. — Alles, was vorher über die Zurückerstattung der Lade erzählt wird, verwirft der Yerf. als unglaubliche Sage. Aber auch der unmittelbar nach diesem Verse berichtete Sieg Samuel’s über die Philister bei Eben־ha־Eser wird aus der Geschichte gestrichen. Bios der einzige Vers 1. Sam. 7,2, der noch dazu der famosen Correctur des Verf.s bedarf, ist aus der alten Geschichte gerettet. Wer hat nun aber die Bundeslade aus dem Lande der Philister zurückerobert? Den Ruhm, diese Heldenthat vollführt zu haben, theilt der Yerf. dem später zum Könige erwählten Saul zu. Woher schöpfte er diese wunderbare Mär? Man höre und staune — aus der ״Sage“ von den verlorenen Eselinnen, die Saul gesucht habe! In diese Sage hat sich wunderbarer Weise ein Wort aus der Geschichte hinein verirrt, nämlich אתונות. Dieses Wort haben die alten israelitischen Geschichtserzähler fälschlich für ״Eselinnen“ gehalten. Unser Yerf. aber weiss es besser. אתנות bezeichnete die zwei Steine in der Lade, in welchen nach dem Glauben der Hebräer ihr Gott seinen Sitz hatte: denn auch die alten Araber nannten ein Götzenbild von Stein Wathan. Saul also hat die Lade von den Philistern wiedererobert. Doch wie kam es, dass man diese glänzende Waffenthat vergass und lieber den Saul ״Eselinnen“ suchen liess — darum braucht sich freilich ein ״Kritiker“, der es versteht, ״Eselinnen“ in ״Göttersteine“ zu verwandeln, nicht zu kümmern. Die wiedereroberte Lade soll Saul nach seiner Hauptstadt Gibea gebracht und diese Stadt zum Centralheiligthum für ganz Israel gemacht haben. Eine Quelle für diese Behauptung weiss der Yerf. nicht anzugeben. Während der Regierung Saul’s wurden von diesem sowohl, wie von Samuel oft Opfer dargebracht, aber in Gilgal, nicht in Gibea (1. Sam. 10,8; 11,14: 15; 13, 4—15). Zwar baut Saul selbst später auch einen Altar für Gott, und es war dies sein erster Altar (1. Sam. 14, 35); es wird aber nicht gesagt, dass dies zu Gibea stattfand, und wäre dies auch der Fall, so geschah dies ja, wie dort erzählt wird, nur zu dem Zwecke, damit das Volk nicht ״beim Blute esse“. Noch später opfert aber Saul nur in Gilgal (1. Sam. 15,12; 21). Von einem Centralheiligtum zu Gibea wissen also die Quellen nichts. Allein der Yerf. will gegen alle Erklärer in 1. Sam. 7,1 בגבעה nicht mit ״auf einem Hügel“* 2), sondern mit ״zu Gibea“ übersetzen. Freilich wird man verwundert fragen, wozu es denn eigentlich der Vermittlung der Judäer in Kirjat Jearim bedurfte, wenn die Lade den Benjaminiten zu Gibea übergeben werden sollte? Doch um solche Kleinigkeiten kümmert sich ein ״Kritiker״ nicht. Noch mehr. Als David die Lade nach Zion brachte, da holte er sie aus Baale in Judäa, das ist Kirjat Jearim (2. Sam. 6,2; 1. Chron. 13, 6). Die Lade war also, wie allgemein angenommen wird, seit der Rückkehr aus Philistäa stets in Kirjat Jearim. Allein unser Yerf. meint, es sei dies ein Irrtum der Chronik, dass Baale- *) Diese Uebersetzung ist, trotzdem sie manche Erklärer haben, entschieden falsch; vgl. Targ. Jon. und Raschi. 2) Diese Bezeichnung ist nicht überflüssig, da eben der Umstand, dass dieses Haus hoch gelegen war, es zur Aufnahme des Heiligtums geeignet machte. Vgl. übrigens auch Friedmann zu Sifre II, 38 Note 12. D. H.