Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Denkens die freie Phantasie hinzu, um mit ihrer Hilfe zu einer entsprechenderen Lösung der wichtigen Fragen über Gott, Welt und Menschenschicksal zu gelangen. Sie zählte bald tüchtige Denker zu ihren Vertretern, und am Ende des XIII. Jahrhunderts hatte sie bereits eine grosse Anhängerschaar erworben 1). Fast auf allen Gebieten der Wissenschaft machte die Kabbala ihren Einfluss geltend, insbesondere aber auf dem Gebiete der Schriftauslegung. Klar zeigt uns diese Erscheinung eine hervorragende Gestalt dieser Periode; den Spiegel der damaligen Zeitbildung, welche hauptsächlich das spanische Judenthum beherrschte, zeigt uns die Schrifterklärung des Bachja ben Ascher. Bachja ist Kabbalist mit voller Seele, aber nicht nur Kabbalist. er war gleich wohlvertraut mit der zeitgemässen Philosophie, jedoch finden sich bei ihm philosophische Bildüng und kabbalistischer Mysticismus forwährend getrennt von einander, und indem er sich einerseits in Buchstaben־ und Zahlendeutungen verliert, bewahrt er andererseits Sinn und Verständniss für schlichte Exegese. Zwar suchen wir bei ihm vergebens eine Schriftauslegung von der Nüchternheit, wie sie der scharfsinnige Abraham ibn Esra gab; wir finden in ihm auch nicht den tiefen Denker, der sich uns in dem grossen Nachmanides offenbart, welcher in seinem Pentateuch-Commentar trotz aller Mystik die herrlichen Früchte eines klaren Geistes aufhäufte; wir sehen vielmehr in Bachja einen reproduktiven Denker, der sich mit Gründlichkeit in die Gedankenwelt vergangener Zeit vertieft, mit wahrem Ameisenfleisse die Leistungen früherer Geschlechter durchdie Kabbala 0. die Religionsphilosophie der Hebräer, Leipzig 1844, S. 47 ff. Joel, D. H. die Religionspliilosophie des Sohar, Leipzig 1849, S. 17—45 und die von beiden verschiedene Ansicht, die der Kabbala jedes höhere Alter abspricht, der wir uns aber nicht anschliessen können, s. Grätz, Geschichte VI, S. 65 f und Note 3. J) Wir verweisen im allgemeinen auf die Schriften Jellinek’s: Beiträge zur Geschichte der Kabbala I, II, Leipzig 1852, die wir der Kürze halber mit ״Btr.“ bezeichnen werden.