Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 327)
- Language
- German
- Belongs to
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320 der Predigt״ erscheint uns zu lückenhaft. In Zunz’s ״Gottesdienstliehe Vorträge“ ist für das spätere Mittelalter und die neuere Zeit bis zum 19. Jahrhundert ein beträchtliches Material gesammelt, dessen Inhalt aber noch einer wissenschaftlichen Bearbeitung harrt, die von Philippson (a. a. 0. S. 94) vergebens ersehnt ward. In einer, wenn auch nur kurzen Darstellung der geschichlichen Ent- Wickelung der jüdischen Predigt hätten wir wenigstens eine genaue Charakterisirung einiger bedeutender Werke der jüdisch-homiletischen Litteratur aus der erwähnten Periode nach Form und Inhalt erwartet. Im zweiten Teile der Einleitung, die über ״Begriff und Zweck der Predigt“ handelt, vermissen wir die Erörterung, was die besondere Bestimmung der jüdischen Predigt ist und was sie von anderen Predigten unterscheiden soll. Der diesbezügliche, auch von Salomon Plessner als ,.gediegen“ bezeichnete Aufsatz Philippson’s: ״Ueber die Bestimmung des jüdischen Predigers“ (a. a. 0. S. 51) hätte auch von Seiten unseres Verf.’s beachtet zu werden verdient. Der erste Hauptteil des Werkes: ״Inhalt der Predigt“ zeichnet zwar bei den Festpredigten mit ziemlicher Genauigkeit den Gedankenkreis, in welchem der Prediger sich zu bewegen hat; die ״Sabbat-Predigt“ aber ist in dieser Beziehung stiefmütterlich behandelt. Hier begegnen wir nur allgemeinen Belehrungen über Auslegungsarten der Schrift, über Strafpredigten, Kritik und Polemik, die spätere jüdische Geschichte und der alte Midrasch auf der Kanzel. Eine Bestimmung der Beligionslehren und Wahrheiten, die vorzüglich in der jüdischen Sabbatpredigt behandelt werden sollen, vermissen wir, was keineswegs dadurch ersetzt ist, dass der jedesmalige Wochenabschnitt als Hauptgegenstand der Betrachtung empfohlen wird. Aus dem 'Nachweise Zunz’s, dass der Midrasch nichts weiter als eine Sammlung von Trümmern öffentlich vorgetragener Predigten ist, wird (S 46) mit Unrecht gefolgert, dass die midraschischen Auslegungen der Schrift nicht Gegenstand neuer homiletischer Auslegungen sein können. Es ist dabei ausser Acht gelassen, dass das Material, welches der Midrasch-Prediger verwendet, zum grössten Teil in alten traditionellen Schriftauslegungen und Kern- Sprüchen unserer alten Weisen besteht. Dieses Material wird ja vom Verf. selbst (S. 117) als für Predigt-Texte benutzbar erklärt. Ausserdem ist doch zwischen Midrasch und Midrasch wohl zu unterscheiden, der alte Midrasch : Mechilta, Sifra und Sifre, ist gewiss keine Sammlung von Predigt-Trümmern. Zu S. 8 Anrri. 3 wäre Lerner’s Ausführung über die Proömien des Ber. rabba (״Magazin“ 1880 S. 168ff u. 1881 S. 183ff.) zu vergleichen.