Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 326)
- Language
- German
- Belongs to
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319 das Sinaigesetz als ein ewiges unabänderliches, und ein Versuch, dasselbe zu modificiren, führte hald aus der jüdischen Gemeinschaft hinaus. Derjenige nun, der auf dem Standpunkte des unabänderlichen Sinaigesetzes steht, wird gegen viele Sätze inMaybaum’s ״Homiletik“ sich ablehnend verhalten, Vieles wieder, wras dort nicht erwähnt ist, hinzufügen müssen. Er wird aber nichtsdestoweniger das Buch mit Nutzen lesen und Belehrung daraus schöpfen. Dieser allgemeinen Bemerkung lassen wir noch einige besondere folgen. Maybaumhatu.A. die Predigt, bei ihrer grossen Wichtigkeit, die wir ihr keineswegs absprechen, viel zu sehr überschätzt und ihr eine Stellung angewiesen, die sie wohl im Protestantismus, niemals aber im Judentum einnehmen kann. Der jüdische Geistliche heisst seit jeher ״Rabbiner“ (in der Synagoge מורה מורינו); diesen Namen führt aber er nicht von seinem Predigtamte, sondern als Lehrer, der in allen religionsgesetzliehen Fragen zu entscheiden hat. Wenn nun auch in neuester Zeit, bei der Unfähigkeit der in der Gemeindeverwaltung massgebenden Personlichkeiten, die Qualification des Rabbiners zu beurteilen, der Beifall, den der Candidat durch seine Probepredigt erntet (nicht die Qualität der Predigt), bei der Rabbinerwahl den Ausschlag gibt, so dürften doch nur äusserst wenige Gemeinden zu finden sein, bei denen nicht auch die התרת הוראה (d. h. der Nachweis der Befähigung und der Autorisation zu religionsgesetzlichen Entscheidungen) als eine conditio sine qua non angesehen wird. Wenn nun, wie May bäum will, kein Hauptgottesdienst am Sabbat und an Festtagen ohne Predigt denkbar sei (S. 19) und der Rabbiner den grössten Teil seiner Kraft und Zeit der Predigt widmen soll (S. 182), wenn ferner selbst ein Genie, wie Mannheimer, eine ganze Woche zu einer Predigt brauchte (das. Anm.), dann fragen wir mit dem Talmud תורתו מתי נעשית? Die Folgen dieser Ueberschätzung der Predigt sind bis jetzt nur deshalb nicht so deutlich zu Tage getreten, weil es noch viele Rabbiner gibt, die nach jenem ״widersinnigen Lehrplan“ vorgebildet sind, nach welchem sie schon im zarten Kindesalter sich ausschliesslieh mit Bibel und Talmud beschäftigten. Was aber dann, wemi dieses ganze Geschlecht ausgestorben sein wird und, nach dem Ideale Maybaum’s (S. 176), ein dem jüd.-theologischen Studium sich widinender deutscher Abiturient keine Talmudkenntniss, sondern, ״nur einige Belesenheit in der hebräischen Bibel mitbringt“ — was dann aus der rabbinischen Wissenschaft werden wird, das lasse man sich von den christlichen Hebraisten erzählen, die mehrere Jahre fleissig mit dem Talmudstudium sich abgemüht, es aber beim besten Willen nicht so weit gebracht haben, eine halachische Discussion entziffern zu können. Die in der Einleitung dargestellte ״geschichtliche Entwickelung