Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 320)
- Language
- German
- Belongs to
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313 hängenden, Stoff für die Bilder fand, hat in der naiven Darstellungsart seiner Zeit die Personen der biblischen Geschichte zu seinen Zeitgenossen und Landsleuten gemacht und in einer ergötzlichen Weise die Geschehnisse der heiligen Schrift seinen simplen Vorstellungen angepasst, so dass manch5 unfreiwilliger Humor zustande gekommen ist. Um ein Beispiel für viele zu geben: .Die Heirat des Moses und der Zippora ist mit vollständiger Chuppa, mit Zeugen, Ring und Wein dargestellt, während im Hintergründe ein fahrender Sänger zum Hochzeitstanze aufspielt. — So wäre es auch manchmal unmöglich, den Sinn der Bilder zu enträtseln, hätte nicht der Schreiber selbst für das Verständnis durch anspruchslose hebräische Verse gesorgt. Neben dem Text bieten die mannigfachen, auf das Pesach-Fest bezüglichen Vorschriften, welche in farbiger Schrift beigefügt sind, Anlass zu Illustrationen; sodann die Schicksale des Volkes Israel in Ägypten, und in ausgiebigster Weise die Lebensgeschichte des Moses, wie sie in Bibel und Midrasch erzählt wird; schliesslich sind alle wichtigen Ereignisse aus der gesammten heiligen Schrift mit den bekannteren Midraschim zu Abbildungen benutzt. — Trotz dieses reichen Materials gestatteten die 42 grossen PergamentbJätter, auf welche die Haggada geschrieben ist, immer noch Raum für groteske Randverzierungen, seltsame Blattformen und abenteuerliche Tiergestalten, wie sie der Geschmack der damaligen Zeit mit sich brachte. — Hinsichtlich der Illustrationen der zweiten Haggada ist wenig zu berichten: dieselbe ist leider arg verstümmelt, und von den auf den Rändern einstmals vorhanden gewesenen Federzeichnungen sind nur kümmarliche Spuren erhalten, da sämmtliche Ränder abgeschnitten sind. Dieser Verlust ist um so mehr au bedauern, als die in den Text eingezeichneten, noch gut erhaltenen Initialen meisterhaft ausgeführt sind und den fertigen Künstler verraten. Auch zu diesen grossartigen Verzierungen der Anfangsbuchstaben