Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 297)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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290 allgemeinen Zerstörung einer fühlenden Seele abgepresst wurde, die es mit ansehen musste, ״wie man R. Sechaija sein Schul hat verschlagen.“ Sicher ruht kein Stein mehr von dem Baue, den Zacharias Lewi für alle Ewigkeit in’s Werk gerichtet zu haben glaubte, auf dem anderen, die Zerstörung hat auch die Kirche hinweggenommen, die das Erbe der Synagoge anzutreten vermeinte, selbst von dem Lehrhause, das Josef, der Sohn des Zacharias, in seiner neuen Heimath Kremsier in Mähren, um das Andenken des Vaters von Neuem zu beleben, zu stiften so hochsinnig war, hat sich keine Spur erhalten, nur einige Lagen von Alter gebräunten Pergamentes haben alle Stürme und alle Wanderungen als einzige Zeugen zerstörter Herrlichkeit und versprengten jüdischen Lebens überdauert, die bisher alleinige Reliquie aus der jüngsten der Wiener Synagogen, aber die sprechendste und beredteste, ihre Seele gleichsam, die Tafel ihrer Geschichte, das Familienheiligthum des Stifters, ihr inneres Band, das Andenken ihrer Todten, ihr — Memorbuch. Einst war es ein vornehmes Buch mit schweren handfesten Holztafeln, die heute auseinandergefallen sind, in weisses, mit herrlichen Pressungen geschmücktes Maroquin gebunden, das die Zeit geschwärzt, der Wurm angebohrt hat, mit Schliessen versehen, in deren Trümmern jetzt der Grünspan nistet, als Ueberrest noch ein Zeugniss der reichen Ausstattung des Gotteshauses, für das es bestimmt und würdig angepasst war. Drei Lagen Pergament, zu je sechs Quart-Blättern geheftet, am Schlüsse eines Blattes beraubt, tragen den Inhalt, der jäh abbricht, wie seine Bestimmung unvermuthet abgerissen ward. Die Einrichtung war die gewöhnliche der Memorbücher jener Zeit. Dem eigentlichen Todtenregister geht eine synagogale Agende voraus, die einzelne in die Gebetbücher damals noch nicht allgemein aufgenommene Stücke enthält, welche beim öffentliehen Gottesdienst verlesen werden. Die Haftara der Fasttage steht am Eingang, ihr folgt das Gebet am Schlüsse