Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 219)
- Language
- German
- Belongs to
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212 nachdem die Parteien sich in dessen Person auf Grund der ausgestellten Liste der Rihcter geeinigt hatten, und bildete den ersten Punkt der für den Richter ausgefertigten Formulare (Process per formulas)1). Im jüdischen Processverfahren war die Wahl und Be- Stellung der Richter ausschliesslich Sache der Parteien, und es lag wesentlich in deren Interesse die Uebereinkunft hinsichtlich der Richter vor der autoritativen Jurisdiction zu treffen. — Die mehrfach erwähnten שטרי בירורין sind nach den talmudischen Erklärungen: Documente die Uebereinkunft der Parteien hinsichtlich der Richter betreffend, deren Ursprung sich sonach auf die D. G. zurückführen Hesse2). Im römischen Processverfahren wurden die Behauptungen der Parteien dem Richter durch den Praetor zur Kenntniss gebracht3); ein ähnliches Vorgehen den D. G. zuzuschreiben, stünde im Widerspruch mit dem Wesen des jüdischen Processverfahrens, das in Allem und jedem nur die Unmittelbarkeit kennt. Wenn demnach Documente erwähnt werden, welche den Thatbestand, wie ihn die Parteien angaben, enthielten, so müssen dieselben einen anderen Zwehk als zur Informirung der Richter — bei der ersten Verhandlung des Processes — gedient haben4). Als wesentliche Aufgabe muss den D. G. zugefallen sein — infolge der autoritation Stellung, die sie als Juris- ג) Vgl. H. Vering, Geschichte u. Institutionen des röm. Rechts S. 129 ff. (Mainz 1865). 2) B. Mezia, 20 a; B. Bathra, 167 b.; j. T. M. Katan III, 3 wird dieses Uebereinkommen der Partheien: קומפרומיסין Compromissum genannt. 3) שטרי בירורין werden auch als Documente erklärt, welche die Behauptungen der Parteien enthalten — שטרי טענתא j. T. a. 0. a. 0. Ueber deren Zweck ist Nichts mitgetheilt. Vgl. Lippmann Heller B. Bathra, X, 4. 4) Vieleicht haben zuerst Schiedesrichter solche Documente verfasst, wenn sie keinen Erfolg hatten, damit für die folgende strengere Procedur die ,׳Behauptungen der Parteien keine Wandlung erfahren.