Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 180)
- Language
- German
- Belongs to
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177 Die Aeltesten fragten daher den Propheten, oh es gestattet sei, in Babylonien einen Tempel zu erbauen (nach Art des späteren Onias- Tempels in Aegypten), dort einen einheitlichen Kultus einzurichten, damit nicht ein Jeder sich eine eigene Bamah erbaue. Der Prophet erklärte, dass ein solcher Kultus wie Götzendienst zu betrachten sei und dass Gott einen solchen Plan .nicht zur Ausführung kommen lassen werde. ״Mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit überströmendem Grimm will Ich über euch regieren“ spricht Gott, was nach unseren Weisen zu erklären ist, dass, so oft Israel sich von Gott lossagen und unter den anderen Völkern aufgehen will, ein verfolgungssüchtiger Haman über dasselbe kommen und es bald zur Besserung führen würde. — Auch die Bilder aus der Vergangenheit, die der Prophet vorführt, sucht der Verfasser mit Hilfe der Agada als historische Darstellungen nachzuweisen, die mit den anderweitigen geschichtlichen Berichten sich nicht in Widerspruch befinden. — Die Vorrede der Schrift enthält eine ansprechende Betrachtung, wie die ganze Geschichte des Volkes Israel bald den Ausspruch ונפלינו אני ועמך (Exod. 33, 16), bald wieder die Worte 1) והיינו—ככל הגוים. Sam. 8, 20) zum Ausdruck brachte. Es werden ferner die besondern Eigenschaften dargestellt, die dem Volke Israel eigentümlich sind und dasselbe vor Vernichtung und Untergang bewahren. Die ganze Schrift, die Vorrede besonders, ist lesens- und beherzigenswert. Schade nur, dass gerade diejenigen, denen eine solche Lectüre am meisten Not thäte, das Hebräische nicht verstehen. H. Die zweite Schrift (in deutscher Sprache) will die vielfach gedeutete Weissagung Jes. 52, 13 ff. auf Serubabel beziehen. Die Bezeichnung des Serubabel als ben Schealtiel, welche wiederholt in Esra, Nehemia und Chaggai vorkommt, ist mit 1. Chron. 3,17—19 in offenbarem Widerspruch, der von den Exegeten nicht befriedigend gelöst werden kann. ״Die Agadisten bieten hierin das annehmbarste. Vielleicht waren sie hierüber durch Traditionen unterrichtet.“ Der König Jechonja war vor seiner Gefangenschaft kinderlos. Erst in der Gefangenschaft wurde ihm durch göttliche Gnade ein Sohn geschenkt, und dieser wurde mit Bezug auf jenes wunderbare Ereigniss Assir-Schealtiel (der Gefangene, von Gott Erbetene oder Gepflanzte) genannt. Später wurde er auch Serubabel genannt, und die Beifügung ״ben Schealtiel“ ist ein Attribut etwa wie ״ein Kind der göttlichen Fügung“ (Sanhedrin 37b). Der Serubabel in 1. Chron. 3, 19 ist aber ein anderer und zwar ein Enkel des Assir-Schealtiel Von dem im Kerker geborenen und herangewachsenen Serubabel sagt der Prophet: ״Entstellt, nicht menschlich war sein Ansehen und seine Gestalt nicht die der Menschenkinder“; ferner: ״Abge-