Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
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125 Fellen verfertige ich Pergament, schreibe darauf die fünf Bücher Mosis, begebe mich dann nach einem Ort, an welchem kein Kinderlehrer ist, lese mit jedem von je fünf Kindern ein Buch, lehre von sechs Kindern jedes einen der sechs Theile der Mischna und sage ihnen, bis ich wiederkomme leset mit einander und lehret einander. Auf diese Weise will ich das Vergessen der Thora verhüten1). — Ebenso machte er sich anheischig, die Exemplare des Pentateuch zu vermehren2). Der Patriarch R. Juda selbst zollte dem Wirken Chija’s volle Anerkennung, indem er sagte: ״Gross sind die Thaten Chija’s“, oder ״Heil dem Zeitalter, in welchem Chija und Ismael ben Jose leben“ 3). Wenn es galt, den Schülern die Anwendung eines Gesetzes klar zu machen, suchte Chija es durch eigenes Beispiel und selbst dann zu thun, wenn er dabei die Gefühle und Regungen des Herzens unterdrücken musste. Als er bei der Ankunft Abba Aricha’s aus Babylonien den Tod seiner Eltern, welche beide Chija’s Halbgeschwister waren, erfahren hatte, legte er nur zum Zeichen der Trauer seine Fussbekleidung ab und gebot sogleich, ihm ein Bad zu bereiten — nur um den Schülern zu zeigen, dass bei spät eintreffenden Trauemachrichten ein geringes Zeichen der Trauer genüge4). Seine Schüler richteten darum auf sein Thun und Lassen die grösste Aufmerksamkeit und schlossen schon aus seinem Verhalten gegenüber den Handlungen Anderer, deren Zulässigkeit ihnen zweifelhaft war, dass diese gestattet sein müssten5). Gleich ihm genossen seine Schüler die grösste Achtung seiner Zeitgenossen und in zweifelhaften Fällen wurde an die Tanae debe Rabbi Chija, gleichsam wie an eine höhere Instanz appellirt6). Von den zahlreichen Gesetzeslehrern, *) Ketubot 103 b; Baba Mezia 85 b. а) Jer. Megila IV, 1. 3) Ibid. 1) u. 2). 4) Moed Eaton 20b und Parall. б) Sabbath 38 b. *) Baba Mezia 34a(Anmerk. der Red. Dort ist von späteren