Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 125)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2572068-2572098-2572099--3688-2575630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
122 Dabei scheute er keine Autorität; als er einst mit seinem Neffen Rab von dem Patriarchen eine gewagte Erklärung hörte und letzterer ihn ersuchte, die Meinung des Rabbi zu erläutern, sagte er: ״Seine Worte gleichen einem Waw (ו), das auf einen ungehobelten Holzspahn geschrieben, (also in unzusammenhängende Punkte zersplittert) ist441). Zur Erklärung schwieriger hebräischer Wortformen hatte er eine eigenthümliche, mystische Methode erfunden, das sogenannte At-Bach di Rabbi Chija*). Dieses bestand darin, dass er statt der im Texte stehenden Buchstaben diejenigen las, welche jene, nach ihrem Zahlwerthe genommen, zur Zehnzahl ergänzten; so setzte er für Aleph Teth, für Beth Cheth u. s. w. Die Zehner ergänzte er auf diese Weise zu Hunderten und nahm z. ß. statt Jod das Zade. Zu den Hunderten setzte er die fünf Finalbuchstaben hinzu, ergänzte Koph zu Final-Zade und setzte dann die übrigbleibenden Buchstaben He, Nun und Final-Koph für einander; diese Methode fand bei späteren Rabbinen vielfache Anwendung* 2 3). Die geheimnissvollen Räthsel des Lebens suchte Chija durch treffende Gleichnisse dem Verständnisse näher zu bringen. In unglücklichen, drangvollen Zeiten tröstete er damit seine Zeitgenossen und sagte ihnen, Gott schicke dem Menschen nicht mehr Strafen zu, als er ertragen könne, wie der Glashändler seine zerbrechliche Bürde erst dann einem Pflocke anvertraut, *) Chulin 16 a. 2) Sukkah 52 b. 3) Die Behauptung Fürst’s (Kultur und Literaturgeseh. S. 23), dass Chija wegen seiner Geschicklichkeit in der Erklärung der Schrift den Beinamen Kara geführt, ist ganz unerwiesen, da in den von ihm citirten Stellen (Jalkut Hoschea cap. 589 und Jebamot 73 a) Chija gar nicht erwähnt wird. Ebenso falsch ist, was Fürst S. 295 bemerkt, dass Chija gegen den Gottesbegriff des Christenthums polemisirte; der von ihm citirte Ausspruch (Pesikta Rabb. cap. 12) gehört einem etwa ein Jahrhundert später lebenden Chija an, was aus dem dort beigefügten bar Abba erhellt, wie unser Chija nirgends n der ganzen talmudischen Literatur bezeichnet wird.