Mannheim
Compact Memory

Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1890-01-01 · 1 (1890) · p. Seite 121

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
17 (1890)
Issue
1 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 121 (sequence 124)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2572068-2572098-2572099--3687-2575629
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

121 in der Natur dieser Exegese liegt, suchte er darin nicht bloss den Sinn der Schrift nach dem Zusammenhänge zu erfassen, sondern hauptsächlich aus dem Schriftworte weise Lebensregeln abzuleiten. Die Bibel war ihm ein Spiegel, in welchem das ganze menschliche Leben, die freudigen und traurigen Schicksale des Menschen abgebildet sind; die schöpferische Agada war ihm ein unversiegbarer Wasserteich, aus welcher der hoffnungsvoll aufspriessende Wald, die lernbegierige Jugend, immer neue Nahrung schöpfen kann1). Die zahlreichen, Chija angehörenden Agadoth tragen den Stempel nüchterner Natürlichkeit; ohne den ursprüngliehen Sinn der Bibelworte gewaltsam zu entstellen, wendet er sie auf alle Verhältnisse des Lebens an. Führen wir hier nur ein Beispiel an: Die Warnung des weisen Salomo (Proverbia 23, 1, 2) bezieht sich nicht bloss auf einen zum Könige geladenen Gast, wie es der buchstäbliche Sinn giebt, sondern auch auf einen Schüler, der vor seinem Lehrer sitzt; auch dieser zügle seine Zunge und setze das Messer an seine Kehle, damit er den Lehrer nicht durch vorwitzige Fragen in Verlegenheit bringe2). Obgleich Ohija als Babylonier sich der chaldäischen Sprache als Umgangsspräche bediente, gebrauchte er auch die rein hebräische ohne alle Schwierigkeit. Dies zeigen uns einige von ihm herrührende zutreffende Worterklärungen 3) und besonders ein von ihm verfasstes, in kindlicher Einfachheit gehaltenes Gebet4). Chija’s geradem, natürlichem Sinne widerstand jede gezwungene Erklärung; er wies es mit Entschiedenheit zurück, wenn andere Rabbinen den Sinn der heiligen Schritt durch ihre Deutungen gewaltsam verkehrten, und er hielt ihnen dann den grammatischen Versbau entgegen5). J) Kohelet Eabba ad II, 8. 2) Chulin 6 a. 3) Jer. Sabbath I pag. 8; Midr. Esther axl I. 6. Cantic. ad I5 5 etc. . 4) Berachot 16 b. 8) Ketubot 5 a.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.