Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Schriftcharakter erheblich von einander äbweichen! Die Abschreiber hätten ja dann aus dem Verständlichen das Unverständliche gemacht, während meist die Textkritik das Umgekehrte voraussetzt. All das hat wenig ■Wahrscheinlichkeit für sich. Im Grunde handelt es sich nur um die beiden Worte: מיתה מתקריא im Buher’schen Pesiktatext. Hier muss zunächst מתקריא in מתקהא geändert werden, was eigentlich gar keine Aenderung ist, da in den Handschriften gewöhnlich für רי und ה dasselbe Schrift- Zeichen gebraucht wird, und überdies der im בית תלמוד edirte Text (Wien, Jahrg. V, 1886 S. 52) wirklich מתקהא liest. Hiernach bieten sämmtliche Texte — mit Ausnahme von Tanchuma und Schemoth rabba, welche den Gedanken rein hebräisch wiedergeben — entweder die Lesart מתקלהא, oder מתקהלא, oder מתקהא. Die Buchstaben מתקהא fehlen also in keinem Text. Man hat daher wohl das Recht, sie als gesicherten Bestand anzunehmen. Dann aber muss das Wort מתקהא überhaupt als ursprünglich festgehalten werden, da unsere Texte von Midr. Schir hasch, und Bamidbar rabb., die noch ein ל, und dazu von einander abweichend, einschieb en, vor den verhältnissmässig guten Pesiktatexten, wie auch vor Jalkut und Aruch, die ausserdem mit ihrer Lesart מתקהא in der Majorität sind, zurücktreten müssen. Ob מיתה (beziehungsweise מיתא) vor מתקהא beizubehalten und מיתה מתקהא zu lesen ist, erscheint vielleicht fraglich. Codex Carmoly Buber (S. 4 a Anm. 60) imd Jalkut zu Exodus 9, 24 (§ 186) lesen das Wort allerdings nicht, doch die Majorität der Texte ist dafür. Mithin hat der uns vorliegende Text die grössere Wahrscheinlichkeit für sich. Es ist demnach an allen Stellen zu lesen: מהו מתלקחת אריבר״ס מיתה מתקהא לעשות שליחותיה. Wie lässt sich aber מיתה מתקהא erklären? Ziehen wir Tanchuma und Schemoth rabb. zu Exod. 9,24 zu Rathe, und erblicken wir in ihren Worten: לאחר שהכהו הברד לוקחתו האש ושורפו die hebräische Paraphrase der beiden fraglichen Ausdrücke, so ergiebt sich folgendes Verhältniss: מיתה ist gleich לאחר שהכהו הברד und מתקהא ist gleich לוקחתו האש ושורפו. In מיתה muss der Begriff des ״hernach“, in מתקהא der des ״Verbrennen“ liegen, wozu übrigens auch das Eingehen auf den Gedankengang drängt. Das kann nicht anders möglich sein, als wenn wir beide Ausdrücke für griechisch erklären. מיתה jue&o od. ^e#’a ״hernach“; מתקהא ßeraxatetv ״hinterdrein brennen“. In den Wörterbüchern ist ßSTaxaietv freilich nicht aufzutreiben, aber gegen diese Wortbildung lässt sich nichts einwenden, da jmeTä in der Zusammensetzung nicht bloss die Bedeutung einer Umwandlung hat, sondern auch die des ״hinterdrein“. Der Midrasch bedient sich ja stets des volkstümlichen Griechisch und mag dieses Wort sich selbst gebildet haben.