Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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85 Die Gewissheit, dass die Sänger und Thorwärter, wie von allen Forschern bisher einstimmig behauptet wurde, wenigstens vom Beginn des zweiten Tempels an, Leviten waren, überhebt uns der Mühe, die ״Beweise“, welche der Yerf. für die spätere Levitisirung dieser Tempel-Functionäre beibringt, ausführlich zu wiederlegen. Offen gestanden, wir konnten aus der Darstellung in vorliegender Schrift nicht klug werden, worin diese Levitisirung, welche als ״innige und unauflösliche Verschmelzung“ mit den Leviten bezeichnet wird, eigentlich bestand. Der Yerf. gesteht zu und muss dies Angesichts der Angaben der Geschichtsquellen zugestehen, dass die Funktionen der verschiedenen Levitenabteilungen stets getrennt blieben. Wenn diese nun etwa ein Schutz- und Trutzbündniss gegen die Priester mit einander abschlossen, wozu bedurfte es da einer Levitisirung, was doch nichts Anderes heisst, als eine Fälschung der Genealogien-Verzeichnisse, um die Ahnen des auserwählten Heiligtums (Jer. 7,12), allgemein vor. Bei den Bamot wurden auch Nicht-Leviten zuPriestern gemacht (l.Kön. 12,31); doch scheint man auch dort Leviten bevorzugt zu haben (Richter 17,14). Wenn demnach alle Cultus-Diener, höhere und niedere, כהנים genannt wurden, so gebrauchte man wohl oft den Namen לרים oder כהנים הלוים zur Bezeichnung der legitimen Tempeldiener aus dem Stamme לוי zur Unterscheidung von den anderen nichtlevitischen Priestern. Es liegt aber schon in der Natur der Sache, dass z. B, die Sänger und שומרי הסףו nicht zugleich Opferpriester waren, sowie dass die Opferpriester einen hohem Rang einnahmen. Nur von ihnen durften die שרי קדש (Jes. -43,28; 1. Chron. 24,5 und vielleicht auch ובשר קדש in Jer. 11,15) gewählt werden. — Nach der Reformation unter Josia wurde die Einrichtung getroffen, dass die Bamot-Priester zur Strafe zwar nicht opfern durften, aber dennoch ihren Anteil an den Opferdeputaten erhielten (2. Kön. 23, 9, vgl. Menachot 109 a). Diese Massregel scheint aber nur eine temporäre gewesen zu sein; die Kinder der Bamot-Priester wurden wohl wieder vollständige Priester. Wenn also Ezechiel die Bamot-Priester in dem Zukunftstempel nur zu Funktionen der Unterpriester zulassen will, so ist zur Zeit des zweiten Tempels dieses sein Gesetz (wie viele andere seiner Vorschriften) nicht zur Ausführung gekommen, da sich in den nachexilischen Schriften keine Spur davon findet.