Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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71 Erst nach dem Tode des Prätorianerführers Sejan (31 n. Chr.) hatte die allgemeine Verbannung ein Ende und fanden die Juden wieder allmälig in Rom Aufnahme. Auch unter Claudius fand vorübergehend eine Aus- Weisung1) aus Rom statt (51). Bekannt sind die Juden- und Provence kamen, ist zurückzuweisen. Entweder gingen sie im Kampfe mit den einheimischen Räubern zu Grunde, was nach Tacitus beabsichtigt war, oder sie kehrten, als die Verbannung aufgehoben wurde (31 n. Chr.), wieder nach Rom zurück. Die Ungenauigkeit Pittons hat auch noch zu Irrthümern Anlass gegeben. Er erwähnt zum Schlüsse, dass die bekannte Chronik Schebec (!) Juda versichere, alle diese Juden (tous ces Juifs) seien vom Stamme Juda und Benjamin gewesen, also von den Edelsten der Nation. Andere haben ihm dies dann nachgeschrieben und irrthümlich Pitton folgend angenommen, dass Schebet Je hu da von der Einwanderung aus Sardinien berichte (Siehe Bardinet in Revue des etudes juives I (1880), 263 und Aronius, Regesten nr. 1). In Wirklichkeit spricht aber Salomo ibn Verga, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. lebende Verfasser der Chronik Schebet Jehuda, gar nicht davon. Richtig ist nur, dass die Chronik erzählt, die 50000 von Vespasian oder Titus nach Spanien verbannten Juden seien aus den beiden edlen Stämmen gewesen. Siehe Liber Schevet Jehuda auctore R. Salomone aben Verga ed. M. Wiener (1856), hebr. p. 14, dtsch. p. 26. Allerdings wird noch hinzugefügt, dass der grösste Theil des Stammes Benjamin nebst den Priestern, wie auch einige vom Stamme Juda, also im Ganzen an 10000 Mann, Spanien verliessen und nach Frankreich zogen. Doch hat diese Tradition nichts mit Sardinien zu thun und kommt, im besten Falle, auch erst nach der Tempel- Zerstörung in Betracht. ג) Sueton, Claudius 26. Apostelgeschichte 18,1—2. Orosius 7, 6 ed. Migne 31, 1075. Die Nachricht bei Dio Cassius 60, 6, wonach aus Furcht vor der grossen Anzahl der Juden die Verbannung unterblieb und nur ihre religiösen Vereinigungen verboten wurden, (ixeXsuffs f17j <ruM#poiZe<r&ae), widerspricht dem keineswegs. Bereits Basnage (Haag) 1. 7,232 hat die Annahme wahrscheinlich gemacht, dass Claudius allerdings zuerst nur die Vereinigungen verbot, dann aber, da dies nichts nützte (assidue tumultuantes),' sich zur Verbannung entschloss. Doch spricht noch mehr für den umgekehrten Vorgang, dass Claudius zuerst die Juden auswies (Sueton), in Folge ihrer grossen Anzahl jedoch auf Schwierigkeiten stiess und daher schliesslich nur die störende Kultusübung verbot (Dio). — Die