Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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70 wurden im Jahre 19 n. Ohr. der ägyptische und jüdische Cultus untersagt und diejenigen, die ihn nicht aufgeben wollten, aus Rom und ganz Italien ausgewiesen.1) Die jüdische Bevölkerung Roms allein betrug damals gegen 20 000 Seelen.2) Von diesen wurden 4000 waffenfähige Jünglinge3) nach Sardinien4) in Strafcolonien verschickt.5) sich fast unmöglich in Gallien ereignet haben, mag vielmehr in Rom in enger Berührung mit der dortigen Judenschaft oder sonst wo geschehen sein. Keineswegs ist demnach, auch wenn die Mittheilung wahr und nur das Quellencitat irrthümlich wäre, auch nur irgend welcher Schluss auf die Einwanderung der Juden in Gallien gestattet. *) Tacitus, Annales II, 85. Josephus, Antiq. 18, 8, 5. Suetonius, Tiberius 36. Philo, legatio ad Gaium 24. Seneca, epist. 108,22. — Baronius, annales ecclesiastici I, 94; ed. Theiner I, 53 zum Jahre 21. Basnage 1. VI (Rotterd.), 1060 1. VII (Haag), 227 f, Belaunay, p. 128 ff. Graetz V2, 281 Anm. 2. Mommsen V2, 498. 2) JDelaunoy, p. 136 schliesst dies mit Recht aus dem Umstände, dass 4000 waffenfähige junge Männer vorhanden waren. 8) Die Strafdeportinmg erstreckte sich nur auf die Juden, nicht auch auf die Aegypter. Einmal lassen sich die Worte des Tacitus ״quatuor millia libertini generis“ am verständlichsten auf die Juden beziehen. Andererseits lag gar kein Grund vor, die Aegypter in Strafcolonien zu schicken, da diese den Kriegsdienst nicht verweigerten. 4) Die Versendung der jüdischen Jugend fand nur nach Sardinien statt, keineswegs sind jedoch damals, wie einige Schriftsteller auf Grund der allgemeinen Angabe bei Sueton; ״Judaeorum iuventutem per speciem sacramenti in provincias gravioris caeli distribuit‘4 irrthümlich annehmen, Juden in die nördlichen Donauprovinzen (nach Regensburg und Wien) verwiesen worden. s) Pitton, histoire de la ville d’ Aix (1666), 60 erzählt, dass es einigen dieser Verbannten glückte, nach Marseille zu kommen, mehrere Jahrhunderte später hätten sich dann auch die andern nach der Provence begeben. Eine Quelle führt Pitton hierfür nicht an, es ist also nur eine Vermuthung. Dem ist entgegenzuhalten, dass einem im römischen Kriegsdienste auf Sardinien stehenden, jüdischen Krieger eine Flucht doch fast unmöglich war. Woher sollte er das nöthige Fahrzeug nehmen? Und musste er sich nicht auf eine Gefangennahme im römischen Marseille gefasst machen? Auch die Annahme, dass die Leute mehrere Jahrhunderte später nach der