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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1890-01-01 · 1 (1890) · p. Seite 72

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
17 (1890)
Issue
1 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 72 (sequence 75)
Language
German
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72 Christenverfolgungen unter Nero (64) und Domitian (90). Allerdings sind die Juden dann jedesmal zurückgekehrt, doch hatten die Vorfälle die Unsicherheit des Wohnsitzes erwiesen. Wenn aber die römischen Juden seit Tiberius — unter dem sich die Ausweisung auf ganz Italien erstreckte — nach nahen Orten ausschauten, an denen sie sich niederlassen konnten, so kam neben Griechenland* 1) Gallien zu allererst in Betracht. Hier war ein Land in nächster Nähe, das von Juden noch nicht bewohnt und verwerthet war. Dazu erfreute sich der gallische Boden der grössten Fruchtbarkeit, die im Verein mit dem aufblühenden Handel das Land, besonders an der Küste, als ein zweites Aegypten erscheinen liess. Durch Caesar und die beiden ersten Kaiser war die alte narbonensische Provinz völlig romanisirt worden. Die neu angelegten und aufstrebenden Städte hatten latinisches Recht empfangen, römische Cultur und Civilisation ihren siegreichen Einzug gehalten. Auch die drei neuen gallischen Provinzen waren seit Augustus geordnet. Das Land hatte unfraglich eine Zukunft. Freilich darf man nicht annehmen, dass nun im Jahre 19, als die Ausweisung aus Italien stattfand,2) sich eine ansehnliche Expedition zur jüdischen Colonisirung Galliens aufmachte. Dazu war jedenfalls das neue, zu betretende Land doch der grossen Masse noch zu unbekannt. Die Ansiedlungen können vielmehr nur allmälig vor sich gegangen sein und werden sich vornehmlich aus den bereits Literatur ist verzeichnet bei Meyer- Wendt, Handbuch f. d. Apostelgeschichte 6/7. Aufl. (1888), 394. Siehe auch Graetz in Monatsschritt f. Gresch. u. Wiss. d. Judenthums 1877, 295 ff. 1j In Folge der Vertreibung unter Claudius begaben sich Aquila und seine Frau Priscilla nach Korinth : Apostelgeschichte 18, 1—2. 2) "Wir haben keine sicheren Nachrichten darüber, wie weit überhaupt der Ausweisungsbefehl des Tiberius befolgt wurde. Wenn auch aus Rom entfernt, muss mindestens ein grosser Theil noch in Italien geblieben sein; man kann sich sonst die grosse Zahl der römischen Juden unter Claudius nur schwer erklären.

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