Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Werfen wir nun noch einen Blick auf die Zustände der Juden in Babylonien, dem Vaterlande unseres R. Chija. Hier lebten die Juden ziemlich unabhängig von den parthischen Herrschern unter eigenen Oberhäuptern, Resche Galuta (Exilarchen) genannt, welche ihren Stammbaum auf die davidische Königsfamilie zurückführten. Den parthischen Herrschern hatten die Juden nur eine Kopfsteuer (Oharag) und Grundsteuer (Taska) zu zahlen1); wurde diese Steuer verweigert, so durfte jeder, der sich zu ihrer Bezahlung anheischig machte, sich des Bodens bemächtigen.2) Sonst standen sie aber ganz unter der Herrschaft des Resch Galuta, welcher Richter ernannte,3) selbst die oberste Instanz bildete und sogar körperliche Züchtigung als Zwangsmittel gegen Unfiksame anwenden durfte.4 * 6) Seinen Sitz hatte er in jener Zeit in Nehardea und nahm unter den Grossen der parthischen Krone den dritten Rang nach dem Könige ein.ß) Scherirae) behauptet, dass diese Regierungsform in Babel schon seit dem Exil des Königs Jojachin (597 vor ü. Z.) bestanden habe, und eine alte Chronik;7) zählt sogar die Namen der Resche Galuta von Jechonja, Schealtiel und Serubabel an, dem Fürsten, unter welchem zur Zeit des Oyrus (536 v. ü. Z.) die Juden aus dem babylonischen Exil zurückkehrten, auf. Die historische Kritik erweist jedoch die Namen von Jechonja bis Hiskiah und noch einige weitere als eine Zusammenstellung aus den Namen der davidischen Nachkommen in I. Ohron. 3, 16—24.8) Doch haben wir sichere Nachrichten, dass es zur Zeit Simones des II., also um die Mitte des 2. Jahr- *) Baba Batra 55 a. 8) Ibd. u. B. Mezia 78 b. 8) Sabbath 55 a. 4) Sanhedrin 5 a. 6) Schebuot 6b; Jer. ibid. I. 6) Sendschreiben edit. Goldberg Seite 88. 7) Seder Olam Sutta. 8) Zunz, Gottesdienstliche Yorträge S. 136.