Mannheim
Compact Memory

Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1890-01-01 · 1 (1890) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
17 (1890)
Issue
1 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 34 (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2572068-2572098-2572099--3600-2575542
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

34 selben ihrem Gedächtnisse und Eifer überlassen. Hierdurch war aber die mündliche Lehre, welche durch die Thätigkeit der Schulen immer mehr anwuchs, der Gefahr ausgesetzt, im Drange der Zeiten in Vergessenheit zu gerathen, und die religiöse Praxis war schon damals wegen der Differenzen, welche über viele Gesetze zwischen den einzelnen Schulen obwalteten, klaffenden Spaltungen ausgesetzt. Diesen Schwankungen setzte R. Juda durch Abfassung der Mischna ein Ziel, indem er den weitschichtigen Stoff so viel als möglich zusammenfasste und die meisten und wichtigsten streitigen Punkte zu einer endgiltigen Entscheidüng brachte. Hierdurch wurde die Tradition in einen festen, gediegenen Guss gebracht. Die Mischna wurde von allen Zeitgenossen R. Juda’s als rechtskräftig anerkannt, ihr wendete sich jetzt die Thätigkeit der Schulen zu und ihre kurzen, gedrungenen Sätze bilden den Text, an welchen sich die scharfsinnigen und tiefeindringenden Disputationen der beiden Talmude anlehnen.1)- Näheres über R. Juda’s Leben siehe bei Grätz 1. c. cap. XII, ferner ChaluzII, wo aber R. Juda’s Charakter in hämischer, der wissenschaftliehen Unparteilichkeit höchst unwürdiger Weise herabgesetzt und all’ seinen Handlungen unedle, selbstsüchtige Motive untergelegt werden, was auch schon Grätz 1. c. Note 22, 2. Auflage in gebührender Weise gekennzeichnet hat. Eine Untersuchung der Frage, welcher römischeKaiser der in den Talmuden so oft genannteAntoninus ist, welcher mit R. Juda befreundet war, würde uns von unserem Thema zu weit entfernen; von Marc Aurel bis Heliogabal ist kein Kaiser, an den die neueren Forscher nicht gedacht haben. Man vergleiche die Arbeiten von Jost, Rapoport, S. Cassel, Fürst etc. G-rätz überträgt das Freundschaftsverhältniss zwischen einem Patriarchen und einem Kaiser auf Juda II. u. Alexander Severus, wozu aber auch nicht eine der zahlreichen talmudischen Nachrichten passt; die Sache bedarf noch der eingehendsten Studien. Was die Dauer der Wirksamkeit Rabbi’s anlangt, so ist nicht nöthig, seinen Tod mit Grätz in das Jahr 210 anzusetzen; die Amtstätigkeit seines Sohnes Gamliellll. kann nur eine kurze gewesen sein, denn 1) sind die Nachrichten über seine Wirksamkeit äusserst dürftig, 2) sehen wir alle seine Zeitgenossen noch lange nach ihm unter seinem Sohne und Nachfolger R. Juda II. am Leben und in reger Wirksamkeit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.