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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1890-01-01 · 1 (1890) · p. Seite 2

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
17 (1890)
Issue
1 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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2 Da die erstere Gruppe von Auslegungen den ungleich grösseren Teil bildet und das meiste historische Interesse bietet; wird sie vornehmlich Gegenstand dieser Dar- Stellung sein. — Wenn man dieselbe im Ganzen mit einem Blicke zu überschauen sucht, so zeigt sie, wie kaum eine andere, die sich über einen biblischen Yers gebildet hat, vorwiegend ein spezifisch charakteristisches Gepräge, nämlich das der theologischen Polemik und Apologetik.1 2 * * * * *) Es hängt wohl mit den unüberwindbaren Schwierigkeiten, die dieser Vers einer schlichten, auf geschichtlicher Grundlage ruhenden Auslegungsmethode bietet, zusammen, dass derselbe schon in der ältesten exegetischen Literatur auf einen in der Zukunft zu erwartenden Messias gedeutet wurde. An diese jüdische Tradition anknüpfend, nahm die Kirche bereits in frühester nach evangelischer Zeit die in derselben liegende Vorherverkündigung unter die aus dem A. T. entlehnten Beweise für die Wahrheit der Messianität ihres Stifters auf.8) Wenn man nicht aus manchen Stellen der midraschischen Auslegung schon jüdischerseits einen versteckten Protest gegen die Christliehe Auffassung herauslesen will, dann muss man annehmen, dass ungefähr im 1. Jahrtausend n. g. Z. in der Kirche sich die Anschauung von dem christlich-mess. Charakter dieser Stelle fortpflanzte und festsetzte, um erst 1j Die Wichtigkeit, welche man dem zu den meist besprochenen Stellen der h. Sehr, gehörenden Verse, als einer unzweifelhaften Hinweisung auf die Ankunft eines Messias beimass, drückt Pfeiffer, Dubia vexata S. S. (1679) p. 202 mit bezeichnenden Worten aus: ״Anecdimus nunc ad palmarium ferme locum non Geneseos modo, sed totius ferme V. T.“ (S. G. Baur, Gesch. d. alttestam. Weissag I, Giessen 1861 p. 239 A. 41). 2) Der Benedictiner Rupertus y. Deutz (1135), De victoria verbi Dei 1. III c. 9 zählt Gen. 49,10 als die 3. Verheissung des Mess, neben 3,15 u. 22,18 auf (Ben. Pererius, Comment. et disput., Mainz 1612 p. 1016), während Justinus Martyr als die beiden ersten Verheissungen Gen. 26,4, u. 24,18 anführt (S. L.Reinke, Die Weissag^ Jakobs etc. Münster 1849 p. 160).

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