Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 16 (1889)
- Issue
- 1 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 218)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Linnen bedeuten nach ihm die Wissenschaften. Das aus der Ferne kommende Schiff stelle die Bemühung des nach Erkenntniss Strebenden dar, Materialien zum Unterrichte sich aus der Ferne herbeizubringen. Wir thäten aber Immanuel Unrecht, wollten wir ihn verurtheilen, ohne mit der damaligen Zeitströmung zu rechnen. Diese Periode war eben einmal allegorisch und mystisch geartet und sowohl Immanuel als auch seine jüdischen und christl. Zeitgenossen athmeten diese Luft in vollen Zügen. Ein berühmter Prediger, der Dominikanermönch Giordano da Rivalto, hielt im ersten Jahrzehnt des XIY. Jahrli. Homilien, welche mindestens denselben allegorischen und mystischen Charakter an sich tragen, der Immanuel’s exeget. Leistungen kennzeichnet. Die Königin von Saba, welche Salomo besuchte, wäre nach ihm Maria. Auch das Biederweib ist Maria. Das Linnen aber bedeute den Leib, der, durch Busse geläutert, dem Byssus gleiche. Die Wolle sei das Warme, das Zärtliche, die Liebe etc.1). Auch in Dante’s ״Divina commedia“ spielt Allegorie und Mystik eine grosse Rolle. Dante selbst2) sagt, dass sie ״plurium sensuum“ sei, und ferner äussert er sich darüber3): ״Et primus (sensus) dicitur literalis, secundus vero allegoricus sive mysticus.“ Jedoch — um auf Immanuel zurück zu kommen — lässt sich ihm nicht jedes Verdienst absprechen. Dort, wo die Verlockung zur Allegorie nicht gegeben ist, bemüht er sich rationelle Erläuterungen zu bieten. So erklärt er die Bedeutung des zwanglosen Trinkens zu Ester 1,8 durch Hinweisung auf das noch heute in manchen Gegenden übliche Zutrinken des Gastgebers, dem der Eingeladene nachzukommen hat. Zu Ps. 60,10 beruft er sich auf die Rolle, welche der Handschuh in dem Fehdewesen des x) Für andere Beispiele vgl. Giidemann a. a. 0. 117f. 2) Ofr. Hugo Delff, »!)ante und seine Meister,« im Jalirb. der Deutschen — Dante — Gesellschaft IV, 27. 3) Ebenda.