Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 16 (1889)
- Issue
- 1 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 214)
- Language
- German
- Belongs to
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20a Gehen wir näher auf diese letztere Periode ein, so werden Thatsachen das ausgesprochene Urtheil bekräftigen. Schon im XI. Jahrhundert brachten es die Juden Italiens auf dem weitverzweigten Gebiete des Talmud bis zu einer erstaunlichen Virtuosität 1). Wir finden aber auch, dass sie um diese Zeit und noch viel später — einige Jahrhunderte hindurch — ausserhalb des talinud. Studienkreises als Uebersetzer und Abschreiber, als philosophische und medizinische Schriftsteller eine rege Thätigkeit entwickelten und einen bewundernswerthen Fleiss an den Tag legten. Namentlich waren es die Werke der Scholastiker, zu denen sie sich hingezogen fühlten, und welche ein Gegenstand ihrer grössten Aufmerksamkeit waren2). Nur das Studium der heiligen Schrift wurde vernachlässigt. Bis zur zweiten Hälfte des XIII. Jahrh. ist bei den italienischen Juden von einer Pflege der Schriftexegese kaum eine Spur zu entdecken3). Die erste Anregung zu derselben und zur Grammatik mag R. Salomo Jizchaki (Raschi) gegeben haben. Seine Werke kamen höchst wahrscheinlich ihres talmudischen Charakters wegen recht früh nach Italien4). Nächst Raschi *) Ygl. Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden in Italien ־während des Mittelalters, Wien 1884, S. 188 ff; Berliner a. a. 0., deutsch, S. 7ff.; Zunz, Literaturgeschichte S. 105; Literaturbl. der jüd. Presse 1871 No. 8. ף Ygl. Zunz’s Analekten in Geiger’s wiss. Zeitschrift II, III und 1Y; Berliner a. a. 0. S. 9; Güdemann a. a. 0. 148ff. *) Ueber einige, etwaige Anfänge cfr. Berliner a. a. 0., deutsch S. 9. Ganz treffend bemerkt Berliner 1. c., dass das im Aruch unter Seblagw. סך und אפר vorkommende בעלי מקרא auf eine Benutzung des מהחברה מנחם hinweist; אפר ist ein Druckfehler, lies מעפרה (vgl. Kohut, Aruch eompl. Bd. I, Einleit. NY s. v. בעלי מקרא). 4) Berliner 1. c. S. 10 schreibt die erste Anregung Ibn Esra zu. Doch dürften die talmudische Gelehrsamkeit der ilalien. Juden einerseits und anderseits die allüberall anerkannte Autorität Raschi’s, dessgleichen der von Berliner a. a. 0. S. 7 seihst erwähnte Umstand, dass zwischen Frankreich und Italien schon im XI. Jahrh. ein reger Yerkehr auf geistigem Gebiete bestand, für die Richtigkeit unserer Ansicht sprechen.