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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1888-01-01 · 1 (1888) · p. Seite 192

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
15 (1888)
Issue
1 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 192 (sequence 194)
Language
German
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192 Povidl Purim in Jungbunzlau. erbrechen und ausspeien mußten, solches bezeugten auch zwei Jungen, der eine war ein Schmied aus der Neustadt und der zweite der Gürtler und sie beeideten dies. Außer dem Buchbinder jedoch erlitt niemand Schaden, nur dieser blieb bis Sonntag krank und starb an diesem Tage. Sofort ging dann die Tochter zum Bürgermeister Md sagte, daß ihr Vater Povidl (reinen Pflaumenmus), bevor sie noch den Kuchen bereitet, gegessen, daß in dem Povidl das Gift sein müsse und er davon gestorben sei. Darauf schickte der Bürgermeister sofort 3 Richter und einen Polizeimann in das Gewölbe, um die Maaren die darin zu verschließen und mich und meinen Sohn Mendl in's Gefängniß zu werfen. Wir jedoch wußten von Nichts, da ich und meine Söhne in der Synagoge während des Morgengottesdienstes waren, und nach dem Ausheben der Thorarolle ging meine Frau nach Hause und fand das Gericht das Gewölbe versiegelt und sie selbst wollte man einsperren. Ein großer Schrecken überfiel sie. indem sie dachte, was hat uns Gott zugefügt, da wir doch unschuldig sind. Sie weinte bitterlich und bat, man möge sie zum Bürgermeister führen und ihr sagen, weshalb ihr so geschehe. Aus Gnade führte man sie zum Bürgermeister und dieser sagte ihr, daß in der von ihr verkauften Povidl Gift gewesen und daß der Buchbinder daran gestorben sei. Sie aber jammerte bitter, daß dies Lüge und Trug sei. Durch die Gnade des höchsten Gottes, der uns Gunst in den Augen des Bürgermeistees finden ließ, ließ man uns die Freiheit, nur mußten wir 2 Bürgen stellen, daß »vir zu jeder Zeit uns vor den Rath stellen, uni das Urtheil zu fällen. Und so kamen das Oberhaupt der Vornehme Rabbi Süßkiud Vorsteher, das Oberhaupt, der Vornehme Rabbi Fischl, bürgten für uns; wir waren zwar frei, aber das Gewölbe und die Laube war geschlossen, mit dem Gerichtssiegel versehen. Samstag Mittag ging die Commission, bestehend aus den 3 Nathsherrn Wagner, Böhm, Feldscherer nnd Landvisitator und Herr Scherkis, der Dvctor und Herr Lipovsky der Stadtschreiber, die sich auf Anatomie verstanden, den Buchbinder zu secircn und zu sehen, ob er in Folge eines tödtlichen Giftes oder irgend einer andern

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