Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 15 (1888)
- Issue
- 1 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Proben. 37 zum Dienste der Menschen: so mußte also Adam, der zum Dienste Gottes erschaffen war, den Sonnenball überstrahlen, der nur zu Adam's Dienste geschaffen ist. Oder wenn die Schrift sagt: als Kain und Abel auf dem Felde waren, erschlug Kain den Abel, sucht die Aggada die Motive dazu. Nach dem Einen wäre der Besitz der Anlaß des Streites und Mordes gewesen; nach dem Anderen: die Frau; nach dem Dritten: die Religion. Der Eine sagte nämlich: sie teilten die Welt unter sich: Kain erhielt den Grund und Boden, Abel das Bewegliche. Das führte zu neuem Streite. Kain sagte zu Abel: Du darfst auf meinem Boden nicht stehen, erhebe Dich in die Lüfte. Abel sagte dagegen zu Kain: Die Kleider an Deinem Leibe gehören mir, ziehe sie aus. Der Andere sagte: Sie stritten um die Frau, denn mit Abel seien noch zugleich zwei Kinder weiblichen Geschlechts geboren worden, wie mit Kain eiues. Kain sagte: die eine von Deinen Zwllingsschwestern nehme ich mir als Ältester. Abel sagte: nein, mir gehört sie: mit mir ist sie geboren. Nach Anderen hätte Jeder der Beiden verlangt, daß auf seinem Gebiet der Tempel erbaut werde. Und daraus sei es dann zum Streit und Mord gekommen: denn die Ursache der menschenmordenden Kriege, will die Aggada sagen, sind entweder Eroberungslust, Herrschsucht oder die Frauen (Helena z. B.) oder die Religion giebt dazu den Vorwand. Dabei wirft die Aggada Streiflichter auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und Sittenzustände der Zeit. Wenn die Schrift sagt: nach dem Thun des Landes Ägypten sollt ihr nicht thun u. s. w., so erläutert dies die Aggada durch die Exemplifikation, wie bei den Heiden eine Frau sich an zwei Männer verheiratete, wie sie unnatürliche Verbrechen begehm, was in Rom von Cäsar an fortwährend im Schwange blieb. Man hat neuerer Zeit dieses griechische und römische Laster zu beschönigen und sogar zu idealisiren gesucht. Hadrian ließ ja seinem Anünous Tempel und Altäre bauen, und die sklavische römische und griechische Welt schmeichelte auch diesem Laster des Kaisers durch Tempel für Anünous. Alle Verhältnisse des Lebens finden in der Aggada ihre