Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 13 (1886)
- Issue
- 1 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 221)
- Language
- German
- Belongs to
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R. Josef Kara. 219 שהיה בעל מקרא ויודע בגירסא ובקי בטעמיה und erklärt, daß der Beiname קדא den Gelehrten bezeichne, der in der heiligen Schrift, deren richtiger Lesung und Erklärung wohl bewandert sei. Diese Erklärung Raschi's, die doch wahrscheinlich beeinflußt ist von der Anschauung, die seine Zeit mit dem Namen קדא verband, dürfte als die einfachste und natürlichste allen anderen vorzuziehen sein. Sehen wir also in dem unserem R. Simon beigelegten Namen Kara einen Hinweis auf ein hervorragendes Wissen des Mannes in der heiligen Schrift und deren Deutung, >) so können wir trotzdem auch mit Geigers noch das Weitere anuehmen, daß R. Simon seine Bibelkenntniß als Schriftvorleser verwerthete und an der Stelle der beim Gottesdienste zur Thora Gerufenen und des Textes minder Kundigen den Abschnitt vorlas, ein Amt, das auch seinerseits wieder zu einem sorgfältigeren Studium der Bibel und zu exegetischen Arbeiten veranlaßte. Der Name Kara mag im Hause des R. Simon als Familienname erblich geworden sein, und R. Josef mag als Sohn des R. Simon Kara den Beinamen Kara erhalten haben, oder aber er hat sich denselben ebenfalls durch eigenes Verdienst in Folge י) Jellinek dürfte immerhin zu weit gehen, wenn er ״Kommentarien zu Ester, Ruth und den Klageliedern Leipzig 1855 S. VI. R. 2" meint, קרא heiße der den natürlichen Wortsinn festhaltende Exeget im Gegensatz zu דרשן, welcher der Agada einen größeren Spielraum gewähre. Wenigstens würde einer exegetischen Thätigkeit auf dem Gebiete des wfi, soweit unsere Kenntniß reicht, gerade bei R. Simon der Beiname קרא nicht entsprechen. 2) Geiger, Rite naamanim deutsch S. 9 und Note 3. Parschandatha S- 11 und Anmerkung. — Die Annahme, daß קרא den Schrift- Vorleser bedeute und R. Simon seiner Stellung als Schriftvorleser diesen Beinamen verdanke, erscheint mir zweifelhaft trotz des Hinweises auf die Araber, bei denen die Koranvorleser Karra hießen und die Samaritaner, bei denen die Vorleser in der Synagoge gleichfalls den Namen קרה führen. (Juynboll, über Josuae p. 20 A). — Der ans der Thora Vorlesende führte bei den Juden den Namen קורא (f. Cassel, Lehrbuch S- 206) oder war mit dem שליח ציבור ש״ץ eine Person, vgl. Duschak, Geschichte u. Darstellung des jüd. Kultus. Mannheim 1866, S, 251 u. 324 ff.