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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1886-01-01 · 1 (1886) · p. Seite 197

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
13 (1886)
Issue
1 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 197 (sequence 199)
Language
German
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Die Baraita über die vier Söhne. 197 Unwissende muß erst darüber belehrt werden, daß dies ein Peßach-Opfer sei (זבה פסה הוא). Dies reflectirt eine Zeit wie die Zeit des Josia, wo Israel nach langer Unterbrechung sich in Jerusalem zur Peßach-Feier versaminelte. Es war damals in der That נשתכחה תורה מישראל, und solche Fragen mochten damals nicht selten gestellt worden sein. Daher mag man auch später diese Frage als die eines Sohnes von beschränktem Verstände (טיפש) bezeichnet haben. Dagegen erklärte man die Frage in Exod. 13, 14 als die eines befähigten Kindes (הבט); denn dort ist, wie die Antwort zeigt, nach dem Grunde des Gottesgebotes die Frage. ״Was bedeutet dies?" fragt der wißbegierige Knabe nicht nur bei dem vorliegenden, sondern bei jedem Gottesgebote. Die Frage מה זאת״?" hielt man für identisch mit der Frage מה הערות וההקים והמשפטית in Deut. 6, 20; nur daß dort die Frage sich auf alle Gebote, hier aber nur auf ein einzelnes Gebot bezieht. Zur Jdentificirung dieser beiden Fragen mochte man auch durch den gleichen Wortlaut des Einleitungssatzes (ובי ישאלך בנך מחר לאמר) bewogen worden sein, der vielleicht zur Vergleichung vermittels der Wort-Analogie (גזירה שוה) geführt hatte. Für diesen Vorgang spricht auch der Umstand, daß in der Mechilta bei Exod. 13, 14 ohne Weiteres die Stelle Deut. 6, 20 ff. citirt und gedeutet wird, als wenn die beiden Stellen zusammengehörten. — Dies war die eine Ansicht. Andere jedoch haben, wie die Später!:, in der unbestimmten Frage מה זאת ein Zeichen der Beschränktheit erblickt, während man die Frage מה העכורה הזאת, die den Gegenstand deutlich nennt und ihn als עבורה (Gottesdienst) bezeichnet, dem besähigten Kinde zuschrieb. Dabei mochte man vielleicht hinzugefügt haben, daß letztere Frage sich auch auf alle Einzelnheiten des Gottesdienstes erstreckt, über welche das Kind ausführliche Belehrung fordert. Diese beiden Deutungen der Schriftverse, die ursprünglich nur als Midrasch existirten, hatten später auch zweierlei Halachot für die Praxis hervorgebracht. Denn ohne Zweifel hat inan am Peßachabende diese Thora-Gebote auch praktisch bethätigt.

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