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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1886-01-01 · 1 (1886) · p. Seite 50

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
13 (1886)
Issue
1 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 50 (sequence 52)
Language
German
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50 S. Goldschmidt. früher. Schon bereute der Sheriff den voreilig ausgesprochenen Befehl und zog ihn öffentlich zurück. Denn er erkannte die eigentlichen Motive der belagernden Kreuzfahrer und fürchtete auch den Zorn des Königs, der es nicht zugeben würde, daß seine Vertreter in den Provinzen als Beschützer der Räuber und Mörder auftreten. Auch die einsichtigen Bürger riethen, die Belagerung aufzugeben. Aber die ernsten Ermahnungen verfehlten ihre Wirkung, weil ein Mönch aus dem Orden der Prämonstratenser die Stürmenden in feuriger Rede zum Ausharren ermunterte. Mit dem weißen Chorhemd bekleidet, hielt der fanatische Mönch eine begeisterte Ansprache, die mit dem Ruf endigte: ״Nieder mit den Feinden des Heilands"! Er nahm sogar die Hostie, um sich des göttlichen Beistandes für seine Sache zu versichern. In ihrer Bedrängniß sollen die Juden den Belagerern große Geldsummen als Lösegeld für ihr Leben angeboten haben, die aber zurückgewiesen worden seien 82). Die Belagerung wurde fortgesetzt, aber alle Anstrengungen scheiterten an dem fast unüberwindlichen Widerstand der eingeschlossenen Juden, die nur allzugut wußten, um welchen Preis sie zu ringen hatten. In übergroßem Eifer hatte sich der Prämonstratenser zu nahe an die Festung herangewagt; ein Stein, von jüdischerHand geschleudert, machte seinem fanatischen Treiben ein unerwartetes Ende. Für die Juden wurde die Gefahr mit jedem Tage größer. Die geringen Lebensmittel, die sie aus ihren Häusern mitgenommen hatten, waren verbraucht, dazu noch das Wenige, das sie in der Burg vorgefunden hatten, und sie sahen ein, daß sie der Hunger bald zur Uebergabe nöthigen würde. Welches Schicksal hatten sie zu erwarten? Die Taufe oder den Tod! In dumpfer Verzweiflung saßen sie bei einander, jeder überlegte, ob es nicht doch einen Ausweg aus dieser Bedrängniß gebe. Da erhob sich der greise Rabbiner der Gemeinde, Rabbi Jomtob aus Joignybs) und hielt etwa **) Benedict 1. c. II p. 107. Hoveden IH p. 34. 83) Bei Wilhelm v. Newbury II p. 25 heißt es: Erat autem ibi senior quidam . . . famosissimus legis doctor, qui ad docendos Ju-

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