Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 13 (1886)
- Issue
- 1 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschichte der Juden in England. 49 Dieser ahnte, was ihm bevorstand, raffte schnell seine Kostbarkeiten zusammen, begab sich mit seiner Familie zum Burgwart und bat ihn, ihm Zuflucht in der Burg zu gewähren. Der Gouverneur erfüllte ihm gern seine Bitte, und gestattete auch anderen Juden, sich in die Burg zu flüchten. Von allen Theilen der Stadt strömten die Unglücklichen in die Bilrg, mit Weib und Kind unb dem Wenigen, das sie in dem Augenblick der Gefahr hatten zusammenraffen können. Wer in der Stadt zurückblieb, wurde erschlagen, man schonte weder Greise, noch Weiber und Kinder und diese Unglücklichen hatten nur ein Mittel, sich das Leben zu retten -- die Taufe. Die flüchtigen Juden sammelten sich in der Burg, welche von den Kreuzfahrern und aufständischen Bürgern nun regelrecht belagert wurde. Die Juden verschanzten die Burg und vertheidigten sie wacker, jeder Angriff der Belagerer wurde tapfer 1mb entschlossen zurückgewiesen. Durch einen ganz besondern Umstand wurden die Streitkräfte der Belagerer bedeutend verstärkt, und ihrer Sache ein Schein der Berechtigung verliehen, der auch manchen besseren Bürger verleiten konnte, die Waffen gegen die Juden zu ergreifen. Der Gouverneur der Burg hatte dieselbe während der Belagerung öfters verlassen, und die eingeschloffenen Juden hatten ihn stark im Verdacht, daß er mit den Belagerern in Verbindung getreten sei und sie an ihre Feinde verrathen wolle. Sie beschloffen daher, ihm, falls er sich wieder aus der Burg entfernen sollte, den Eintritt in dieselbe zu verwehren. Sie verrammelten Thür und Thor und machten es dem Gouverneur unmöglich, auf seinen Posten zurückzukehren. Der Gouverneur beklagte sich bei dem Sheriff der Grafschaft, Johann Marschall, der in königlichen Geschäften mit starker militärischer Begleitung zufällig in Aork anwesend war. Der Sheriff gab seinen Truppen den Befehl zum Angriff; denn nun handelte es sich darum, ob einem königlichen Beamten die Rückkehr auf seinen Posten möglich gemacht werden konnte, oder nicht. Da es sich um die Ehre des Königs handelte, wurde der Angriff mit doppelter Kraft ausgeführt, der Erfolg war derselbe wie 1886. I. 4