Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 13 (1886)
- Issue
- 1 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschichte der Juden in England. 39 war, begab sich der König in feierlicher Prozession nach dem Westminster-Palast, legte die schweren Krönungsgewänder ab und setzte sich mit seinen Großen zum Krönungsmahle, bei dem er auch die Huldigungen seiner Vasallen entgegennahm. Ganz unerwartet wurde das Fest gestört. Unter den Huldigenden waren auch die angesehensten Männer der jüdischen Gemeinden erschienen, welche dem neuen König reiche Geschenke brachten, um sich seiner Gunst gti versichern und alle die Rechte und Privilegien sich erneuern zu lassen, welche sie zur Zeit Heinrichs II. gehabt hatten. Am Tage vorher hatte aber der König ein Edict erlassen, welches allen Juden und Weibern den Zutritt zur Krönung verbot. Weder bei der Krönungsfeierlichkeit in der Kirche noch bei dem Krönungsmahl im Palast sollten sie anwesend sein. Dieses Verbot entsprang vielleicht der abergläubischen Furcht vor der jüd. Zauberei, die man auch dem Könige beizubringen gewußt hatte, und die an diesem Tage um so berechtigter erschien, als er von Alters her schon für einen Unglückstag gehalten wurde^). Die Juden, die ihre weiten Reisen nicht vergebens unternommen haben wollten, versuchten es, trotz des Verbotes in den Palast einzudringen und machten sich insofern einer Uebertretung des königlichen Edicts schuldig. Kaum hatten sie den Saal betreten, so wurden sie von den an der Thür aufgestellten Hofleuten festgehalten, und unter dem Hinweis auf die königliche Verordnung hinausgeworfen und mit Schlägen und Mißhandlungen bis auf die Straße verfolgt^). 67) Benedict 1. c. n. p. 79: die mala predictus Ricardus consecratus 66t. Hoveden 1. c. III p 8: die quoque Aegyptiaca consecratus. Vergl. auch das Itinerarinm Regis kicardi er. Ltubbs (vol. I der Chronicles and Memorials of the Reign of Richars, Oxford 1864—65) p. 142. Wilhelm von Newbury 1. c. II p. 2: qui dies in prisca gentili superstitione malus vel Aegyptiacus dicitur. 68) Die Veranlassung zu dieser Judenverfolgung ist in neuester Zeit von Grätz: Geschichte der Juden', Band VI S. 241 so dargestellt worden, als ob der Erzbischof Balduin von Canterbury dem Könige verboten hätte, die Geschenke der Juden anzunehmen, und ihm den Rath gegeben hätte, dieselben aus dem Saale entfernen zu lassen. Der König